Da bleibt einem die Luft weg

Während alle Augen auf die Klimakonferenz in Paris gerichtet sind, fällt es den Menschen in Peking schwer, überhaupt noch etwas zu sehen. Seit Tagen liegt Chinas Hauptstadt unter einer dichten Smogschicht, die Sichtweiten betragen nur noch wenige hundert Meter. Am gestrigen Dienstag riefen die Behörden dann die höchste der vier Warnstufen aus, zum ersten Mal seit Erlass der neuen Smog-Vorschriften 2013.

Schon vergangene Woche erreichte die Feinstaub-Konzentration in Peking bedenkliche Werte, nach offiziellen Angaben stieg sie auf über 600 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft - mehr als das 24-fache des Richtwerts der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 25 Mikrogramm.

Wie kann es eigentlich dazu kommen, dass die Luft derart verschmutzt? Smog (der Begriff ist übrigens eine Zusammensetzung der beiden englischen Wörter "smoke" [Rauch] und "fog" [Nebel]) entsteht bevorzugt bei sogenannten "Inversionswetterlagen". Bei dieser Wetterlage nimmt die Temperatur mit der Höhe zu - und nicht wie im Normalfall ab. Die kältere Luft liegt also unter der wärmeren und kann durch ihre höhere Dichte nicht aufsteigen. Somit stellt eine Inversion eine Art Sperrschicht dar, die einen Austausch zwischen bodennahen und höher liegenden Luftschichten verhindert.

Winterliche Hochdruckwetterlagen begünstigen die Ausbildung von Inversionen. In einem Hochdruckgebiet findet großräumiges Absinken und damit eine Erwärmung von höher liegenden Luftschichten statt. Die bodennahen Luftschichten können in den langen Nächten hingegen besonders stark auskühlen, sodass die oben beschriebene Temperaturzunahme mit der Höhe erfolgt.

Ein Blick auf die derzeitige Bodendruckverteilung über Asien zeigt, dass sich tatsächlich ein kräftiges Hochdruckgebiet über dem Osten Chinas befindet, sodass eine Inversionswetterlage entstehen konnte. Ausgestoßene Schadstoffe können sich nicht in höhere Luftschichten verteilen und halten sich seitdem in der Metropole.

Immer wieder kommt es in Peking, das noch dazu wie ein Kessel von Gebirgen umgeben ist, zu gesundheitsgefährdenden Smog-Situationen. Insbesondere bei Süd- oder Südostwind liegt während einer Inversionswetterlage eine mächtige Smogwolke über der Stadt (siehe Abbildung).

Die aktuell ausgerufene rote Warnstufe hat weitreichende Auswirkungen: Schulen und Kindergärten bleiben bis voraussichtlich Donnerstagmittag geschlossen, Fabriken mit hohem Schadstoffausstoß und Baustellen müssen die Arbeit einstellen, die Hälfte der Autos ist von den Straßen verbannt. Je nach Nummernschild dürfen Fahrzeuge nur noch abwechselnd an geraden oder ungeraden Tagen fahren.

Am morgigen Donnerstag können die Einwohner Pekings aber sprichwörtlich wieder durchatmen: Dann soll der Wind auf nördliche Richtungen drehen und pustet hoffentlich den Smog von dannen.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.12.2015

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