Demnächst wohl wieder Mütze, Schal und Handschuhe

Man möchte ja beinahe sagen: "Gott sei Dank stürmt es so." Ansonsten könnte man glatt vergessen, dass es momentan Herbst ist, denn die derzeitigen Höchsttemperaturen sind zum Teil immer noch viel zu mild für die Jahreszeit bzw. November. In der vergangenen Nacht sorgte Sturmtief HEINI verbreitet für Sturmböen (z.T. auch schwere Sturmböen) bis in tiefe Lagen. Vereinzelt kam es sogar zu orkanartigen Böen. Erfurt meldete beispielsweise eine solche mit 106,9 km/h! Auf den Berggipfeln erreichten die Böen Orkanstärke, wobei hier wie bereits am vergangenen Sonntag der Brocken mit Abstand die Nase vorn hatte: 170,3 km/h konnten dort verzeichnet werden!

Auch am heutigen Mittwoch sorgt der Richtung Baltikum abziehende HEINI noch für viel Wind, wobei sich dieser im Tagesverlauf von Westen her immer mehr abschwächt. Doch das nächste Sturmtief sitzt bereits in den Startlöchern, denn mit IWAN setzt sich ab der kommenden Nacht die stürmische und immer noch milde Witterung in Deutschland fort.

Doch damit wird am kommenden Wochenende voraussichtlich erst einmal Schluss sein, auch wenn das Rätseln um die Jahreszeit wohl vielerorts erhalten bleibt, allerdings in die andere Richtung gedacht. So wie es momentan aussieht, klopft dann nämlich der Winter an.

Versuchen wir einmal die Verantwortlichen für diese Umstellung der Großwetterlage zu finden. Zum einen wären da zwei kräftige Hochdruckgebiete, eines aktuell westlich von Neufundland, das andere mit dem Namen VIVA über Südwesteuropa. Während Hoch VIVA kaum seine Position ändert, kommt das andere noch namenlose Hoch in den nächsten beiden Tagen bis ins Seegebiet südlich von Grönland voran. VIVA scheint sich allerdings kaum daran zu stören, dass sein "Luftdruckpartner" keinen Namen trägt. Es geht ganz im Gegenteil im Laufe des Freitags sogar eine Verbindung mit diesem über dem Atlantik ein, im Fachjargon spricht man auch von der Ausbildung einer sogenannten Hochdruckbrücke.

Ebenfalls zu den Verantwortlichen zählend ist eine großräumige Tiefdruckzone über Nordosteuropa, in die sich am Donnerstag auch Sturmtief IWAN eingliedern wird. Zwischen diesem Komplex und der vorhin erwähnten Hochdruckzone über dem Atlantik stellt sich in der Folge eine nördliche Strömung ein, mit der ab Freitag Kaltluft polaren Ursprungs nach Deutschland gelangt. Am Samstag wird dann in Sachen Höchsttemperatur wohl kaum noch die 10-Grad-Marke erreicht werden. Am Sonntag ist dann mit Ausnahme der Küsten wohl meist schon bei 5 Grad Schluss. In den Nächten wird bis Anfang nächster Woche vielerorts Frost ein Thema werden.

Dazu wird das Wochenende im Bergland auch in Sachen Niederschlag winterlich. Dort kann man sich voraussichtlich auf den einen oder anderen Zentimeter Neuschnee einstellen. Besonders in den Nächten kann es ab Samstag auch mal bis in tiefe Lagen runterschneien. Aber bekanntlich ist des einen Freud des anderen Leid, denn Glätte ist dabei natürlich auch vorprogrammiert. Wie lange diese winterliche Witterung anhalten wird, ist noch unsicher. Die Weihnachtsmarktbetreiber werden aber sicherlich die Daumen drücken und hoffen, dass sich daran so schnell nichts ändert, denn Glühwein schmeckt bei Temperaturen um 0 Grad bekanntlich besser als bei 15 Grad.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.11.2015

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