Betrachtet man die Wetterkarten vom heutigen Donnerstag, so findet man KATE ganz weit "links" im Westen des mittleren Nordatlantiks unweit der nordamerikanischen Ostküste. Dabei hatte sie in den Frühstunden mitteleuropäischer Zeit noch den Status eines tropischen Sturms, die Umwandlung in ein Tief der mittleren Breiten steht aber unmittelbar bevor. Die Kurssetzung, die die verschiedenen Computermodelle vorausberechnen, ist eindeutig: KATE schlägt einen Ost-Nordostkurs ein und nähert sich dabei unweigerlich den europäischen Gewässern, wo sie im Laufe des Wochenendes aufschlagen und zunehmend das Wettergeschehen vor Ort mitbestimmen wird.
Bis es soweit ist, müssen wir uns zunächst noch mit einigen anderen Protagonisten der atmosphärischen Zirkulation "herumschlagen", die zum Teil auch über reichlich Power verfügen und uns recht wechselhaftes Wetter aufoktroyieren. Vereinfacht kann man die derzeitige Wetterlage so skizzieren, dass zwischen Grönland bzw. Island im Westen und Russland im Osten gleich mal eine ganze Armada an Tiefdruckgebieten unterwegs ist, während über Südeuropa Hoch ULRIKE als Konterpart fungiert. Zwischen den CARSTENS, DIETERS, EUGENS und FRANKS im Norden und ULRIKE im Süden strömt mal geschmeidig, mal mit Schmackes Atlantikluft nach Mitteleuropa respektive Deutschland und beschert uns den bereits erwähnten wechselhaften und teils windigen Wettercharakter.
Widmen wir uns vorhersagemäßig dem morgigen Freitag, den dreizehnten, an dem abseits von jeglichem Aberglauben eindeutig das Sturmtief FRANK die Regie bei uns übernimmt. Mittags über dem Seegebiet zwischen Island und Norwegen gelegen schickt uns FRANK eine Kaltfront ins Land, die von Nordwest nach Südost durchschwenkt, die Alpen aber erst in der Nacht zum Samstag erreicht. Kaltfront - "Nachtigall, ick hör dir trapsen" -, sollte nach einem bisher deutlich zu warmen November tatsächlich mal wieder das Attribut "kalt" eine Bedeutung für unser Wetter bekommen? Die eindeutige Antwort lautet "jein". Tatsächlich strömt hinter der Kaltfront ein Schwall maritimer Kaltluft aus subpolaren Breiten zu uns, die sich aber auf dem langen Weg über den Atlantik aufgewärmt hat, so dass die Abkühlung in den bodennahen Luftschichten sehr gemäßigt ausfällt. 9 bis 15°C, im Süden lokal bis 17°C sind jedenfalls noch keine frühwinterliche Offenbarung. Immerhin, nachdem das kleine Regenband der Kaltfront die mittleren Landesteile erreicht hat, stellt sich von Nordwesten her windiges, teils stürmisches Schauerwetter ein, wobei auch kurze Gewitter und einzelne Graupelschauer mit im Spiel sein können. Im Oberharz - man höre und staune - sind später (Nacht zum Samstag) sogar einzelne Schnee- oder Schneeregenschauer möglich. Wer so kühn sein sollte, das als winterliche Vorboten für weiteren Schneefall in den nächsten Tagen zu werten, muss an dieser Stelle allerdings enttäuscht werden.
Womit wir beim Wochenende wären, wo sich der gute FRANK in Richtung Norwegen bzw. Norwegische See verabschiedet, wo er merklich an Power einbüßt. Ein Nachfolger steht aber schon "ante portas", womit wir bei unserem eigentlichen Thema KATE wären, die mittlerweile aber als ExKATE bezeichnet wird (das "Ex" signalisiert, dass es sich um einen ehemaligen Tropensturm handelt). Nach vorübergehender Abschwächung pumpt sich ExKATE zu einem "normalen" Sturmtief der mittleren Breiten auf, das am Montagmittag knapp süd-südöstlich von Island liegen soll (siehe Vorhersagekarte des deutschen Computermodells ICON für kommenden Montag, 12 UTC unter http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2015/11/12.html).
Bereits am Wochenende schlagen aber schon die ersten, derzeit noch namenlosen Vorläufer von ExKATE bei uns auf, die für den Fortbestand des unbeständigen und zeitweise windigen, teils sogar stürmischen Wetters sorgen. Stehen am Samstag dabei eher Schauer auf der Karte, kann es am Sonntag zum Teil länger andauernd und gebietsweise auch kräftig regnen. Wirklich kalt wird es mit 8 bis 14°C, am Oberrhein bis 16°C aber nicht (die detaillierte Wettervorhersage für Deutschland finden Sie auf unserer Homepage www.dwd.de).
In der nächsten Woche bleibt ExKATE zunächst mal als sogenanntes steuerndes Tief im Seegebiet zwischen Island und Schottland liegen. Als steuernde Tiefs werden relativ großräumige, vor allem aber nahezu ortsfeste Tiefs bezeichnet, an deren Flanken sich immer wieder kleinere Randtiefs entwickeln, die um das große Tief herumgesteuert werden. Für uns bedeutet das im konkreten Fall, dass wir nächste Woche immer mal wieder von solchen Randtiefs tangiert oder auch raktiert werden, die zum einen Wind und wiederholt Regen, zum anderen mal etwas mildere, mal etwas kältere, aber nie wirklich kalte Luft vom Atlantik nach Deutschland lenken. Ob Ex-KATE dann Mitte nächster Woche möglicherweise ihren angestammten Platz zwischen Island und Schottland verlässt oder dort noch länger verweilt, ist derzeit noch unsicher. Eine wirkliche Umstellung der Westwetterlage ist so oder so nicht abzusehen.
Dipl.-Met. Jens Hoffmann
Deutscher Wetterdienst