Hoch Tomoka verabschiedet sich

Seit über einer Woche begleitet uns Hoch "Tomoka" auf unseren Wetterkarten. Dessen Schwerpunkt lag in den vergangenen Tagen über Ost- bzw. Südosteuropa. Die höchsten Druckwerte wurden dort im Zeitraum vom 31.10.2015 bis 01.11.2015 mit über 1045 hPa gemessen. Auch in Deutschland waren noch Werte von knapp über 1035 hPa auszumachen.

In Deutschland machte sich dieser massive Hochdruckeinfluss durch ruhiges Herbstwetter bemerkbar, denn atlantische Tiefausläufer hatten keine Chance gegen dieses kräftige blockierende Hochdruckgebiet anzukommen.

Doch trotz dieses mächtigen "Hochdruckbollwerks" und der sehr warmen und trockenen Luft in höheren Schichten bedeutete dies nicht immer und überall in Deutschland eitel Sonnenschein und milde Temperaturen. Wie bereits im gestrigen Thema des Tages beschrieben, bildete sich in den unteren Luftschichten eine starke Inversion (Zunahme der Temperatur mit der Höhe) aus. Somit konnte sich bodennah teils auch tagsüber die fecht-kalte und eben dadurch nebelanfällige Luft halten.

Ein krasses Beispiel dieser Umkehrung des klassischen vertikalen Temperaturgefälles zeigte sich zum Beispiel am Dienstag (03.11.2015) in Sachsen-Anhalt. Während man auf dem Brocken (1133 m ü. NN) bei warmen Temperaturen (Tageshöchstwert 19,8 Grad) den ganzen Tag in der Sonne verbringen konnte, saß man beispielsweise in Magdeburg (76 m ü. NN) bei kühlen Temperaturen (Tageshöchstwert 3,5 Grad) im Dauernebel fest. Beim Blick auf die Luftfeuchtigkeit konnte ebenso ein bemerkenswerter Gegensatz zwischen "oben" und "unten" festgestellt werden. In bodennahen Nebelgebieten herrschte eine relative Feuchte von 100 %, in höheren Lagen, beispielsweise auf dem Brocken, lag die relative Luftfeuchtigkeit zeitweise sogar unter 5 %! Somit konnte man sich dort auch über eine dementsprechend gute Fernsicht erfreuen.

Aber nicht überall blieb es in tiefen Lagen trüb und kalt. Vielerorts war es auch nebelfrei oder der Nebel löste sich im Tagesverlauf auf, sodass auch in diesen Gebieten Sonnenschein und Tageshöchstwerte zwischen 15 und 20 Grad keine Seltenheit waren. Spitzenreiter war dabei am Dienstag (03.11.2015) leicht föhnunterstützt Garmisch-Partenkirchen (719 m ü. NN) mit 22,8 Grad. Dieser Wert liegt historisch zwar durchaus im Spitzenfeld, den November Rekord hält allerdings weiterhin Rosenheim mit sommerlichen 25,9 Grad am 06.11.1997.

Seit dem gestrigen Mittwoch schwächelt die noch von Skandinavien über Mitteleuropa bis nach Spanien ausgedehnte Hochdruckzone und wird deshalb auch nicht mehr mit dem Namen "Tomoka" als abgeschlossenes Hoch in den Wetterkarten geführt.

Für die zukünftige Wetterentwicklung über Mitteleuropa bedeutet dies, dass jetzt der Platz frei ist für atlantische Tiefausläufer. Diese können nun wieder ungehindert von Westen auch auf Deutschland übergreifen. Vor allem in der Nordhälfte wird es somit in den kommenden Tagen unbeständiger mit häufig dichten Wolken und zeitweiligem Regen. Die Südhälfte ist hingegen noch außen vor, dort wird es bei immer noch leichtem Hochdruckeinfluss außerhalb der Nebelgebiete zunächst noch freundlich sein. Mit Tageshöchstwerten zwischen 13 und 19 Grad bleibt das Temperaturniveau jedoch generell recht hoch.

Mag.rer.nat. Michael Tiefgraber

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.11.2015

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