Die in diesem Jahr ganz besonders aktive Hurrikan-Saison im Zentral- und Ostpazifik neigt sich langsam dem Ende zu. Sage und schreibe 23 tropische Stürme wurden bis dato registriert. Auf Grundlage des vieljährigen Mittels 1981-2010 sind dort allerdings nur rund 15 Stürme zu erwarten. Damit brachte die diesjährige pazifische Hurrikan-Saison nach 1992 die bisher meisten tropischen Stürme seit Aufzeichnungsbeginn hervor.
Mit OLAF und PATRICIA sind sogar gerade zwei Hurrikane aktiv. OLAF, immerhin mit gemittelten Windgeschwindigkeiten um 175 km/h noch ein Hurrikan der zweiten Kategorie, befindet sich zurzeit rund 1500 Kilometer südwestlich von Hilo/Hawaii und wird wohl nicht mehr über den Status eines sog. "Fischsturmes" hinwegkommen. So werden auf eine etwas despektierliche Art und Weise tropische Stürme bezeichnet, die nicht auf bewohnte Regionen treffen, sondern nur über den Weiten der Ozeane "ihre Runden drehen". PATRICIA dagegen nähert sich als gefährlicher Hurrikan unaufhaltsam der mexikanischen Pazifikküste.
In den vergangenen gut 24 Stunden durchlief PATRICIA eine bemerkenswerte Entwicklung von einem tropischen Sturm zu einem Hurrikan der höchsten, also fünften Kategorie, mit geschätzten mittleren Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h. Diese regelrechte Wachstumsexplosion überraschte selbst die erfahrenen Meteorologen, die PATRICIA in ihren Vorhersagen nur die Kategorie "drei" zutrauten. Dabei muss an dieser Stelle betont werden, dass die Vorhersagen von Zugbahn und Intensität der tropischen Wirbelstürme grundsätzlich mit vielen Unsicherheiten behaftet sind. Immerhin gibt es dort, wo tropische Tiefdrucksysteme zu Wirbelstürmen heranreifen, nämlich mitten über dem weiten Meer, sehr wenige Informationen über die verschiedenen meteorologischen Größen (Luftdruck, Temperatur, Wind etc.). Messungen mit Bojen, Schiffen sowie Beobachtungsflügen durch den Wirbelsturm als auch mit Satelliten reichen eigentlich nicht aus, um die Wettermodelle ausreichend mit Daten zu füttern. Häufig sind die "Forecaster" mit ihrer Erfahrung und einer Intuition für die Dinge, mit denen sie sich täglich beschäftigen, den Simulationen der Computermodelle überlegen. Natürlich sind auch sie als Menschen nicht gänzlich davor gefeit, durch die Intuition auch mal "fehlgeleitet" zu werden.
Im Falle von PATRICIA werden insbesondere die sehr hohen Wasseroberflächentemperaturen (teils über 30 Grad Celsius), das große Feuchteangebot in der Atmosphäre und die geringe Windscherung (Änderung von Richtung und Geschwindigkeit des Windes mit der Höhe) als günstige Entwicklungsfaktoren angeführt. Der Hurrikan wird in der Nacht von Freitag auf Samstag mit wahrscheinlich nur geringen Intensitätsänderungen knapp nordwestlich der Hafenstadt Manzanillo im mexikanischen Bundesstaat Colima an Land gehen, um sich nachfolgend dann rasch abzuschwächen (siehe Skizze der Zugbahn auf www.dwd.de/tagesthema). Vor allem in Küstennähe werden schadensträchtige Windgeschwindigkeiten erwartet. Hohes Schadenspotenzial bergen darüber hinaus aber auch der hohe Wellenschlag an der Küste und zum Teil heftige Regenfälle, die zu großflächigen Überschwemmungen führen können.
Wenn sich die Vorhersagen bestätigen und PATRICIA als Hurrikan an Land geht, dann ist es der fünftspäteste Landfall eines Hurrikans in Mexiko seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen. Die einzigen Hurrikane, die noch später auf Mexiko trafen, sind KENNA (25.10.2002), OLIVIA (25.10.1975), RICK (10.11.1997) und TARA (11.11.1961). Dass ein Hurrikan noch Ende Oktober bis in den November auf Mexiko stößt, ist also durchaus ungewöhnlich, vor allem mit solch einer Wucht. PATRICIA gehört eben zu den echten "Spätzündern".
Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst