Seit vergangenem Dienstag (20.10.2015) erstreckt sich ein Frontensystem etwa von der Iberischen Halbinsel bis zum Schwarzen Meer und trennt warme und feuchte Mittelmeerluft von relativ kühler und trockener Luft. Durch Hebungsvorgänge an der Vorderseite eines langwelligen Höhentroges unterstützt, bildete sich im Bereich dieser Luftmassengrenze zunächst über dem zentralen Mittelmeerraum ein flaches Tiefdruckgebiet, das langsam ostwärts zog und dessen Kern heute früh (22.10.2015) über dem Ionischen Meer lag. Weiter nördlich erstreckte sich über dem Kontinent eine schmale Hochdruckbrücke.
Auch wenn diese herbstlichen "Mittelmeertiefs" im Vergleich zu den saisonalen nordeuropäischen Sturmtiefs wenig spektakulär aussehen, haben sie es doch in sich, denn im Bereich der Warmfront, wo die feucht-warme mediterrane Luftmasse auf die trocken-kühle kontinentale Luftmasse aufgleitet und empor gehoben wird, entstehen durch Abkühlung, Kondensation und Wolkenbildung mächtige Regengebiete und Gewittercluster. Außerdem bewirkt eine derartige Luftdruckverteilung an der Ostküste der Adria einen kalten und trockenen Fallwind, die sog. Bora. Tatsächlich gab es in der vergangenen Nacht am Flughafen Dubrovnik (42°38´N, 18°16´E, 157 m Höhe) schwere Sturmböen (Windstärke 10 Bft bzw. 90 km/h oder 25 m/s) aus Nordost.
Die stärksten Niederschläge fielen am Ägäischen und Ionischen Meer sowie in Kleinasien. Beispielsweise wurden in vierundzwanzig Stunden bis heute früh, 22.10.2015, 06:00 UTC, in Andravida (37°59´N, 21°19´E, 16 m Höhe) im nordwestlichen Peloponnes 132 L/m² (= mm) registriert, in Kefallinia (38°14´N, 20°34´E, 19 m Höhe) und Zakynthos (37°47´N, 20°46´E, 8 m Höhe), beide auf den Ionischen Inseln gelegen, waren es 47 mm bzw. 41 mm. Aber auch in der westlichen Türkei regnete es ergiebig. So meldete die Station Datca (36°44´N, 27°42´E, 10 m Höhe) an der Türkischen Riviera im gleichen Zeitraum 56 mm, in Antalya (ebenfalls Türkische Riviera 36°53´N, 30°36´E, 45 m Höhe) sowie in Balikesir (Nordwesttürkei, 39°39´N, 27°53´E, 311 m Höhe) waren es jeweils 51 mm.
Zur Illustration finden Sie unten eine Karte des auf Meeresniveau reduzierten Luftdruckes [hPa] sowie der 24-stündigen Niederschlagsmengen [L/m² = mm] mit Windpfeilen von heute früh, 22.10.2015, 06:00 UTC.
Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst