Der Wind, der Wind, das himmlische Kind

ZELJKO - ein slawischer Vorname mit der Bedeutung "der Erwünschte". Ob unser derzeitiges Sturmtief mit demselben Namen wirklich erwünscht ist, soll an dieser Stelle mal offen bleiben. In jedem Fall ist ZELJKO ein durchaus ungewöhnliches Wetterereignis, denn stürmische Zeiten verbinden wir eher mit den Jahreszeiten Herbst und Winter. Aber wieso eigentlich?

Im Herbst beginnt sich die Luft in polaren Breiten durch die nachlassende Sonneneinstrahlung abzukühlen, während das Mittelmeer noch eine Temperatur von knapp 20 °C hat. Dieser große Temperaturunterschied zwischen den kalten polaren und den gemäßigt warmen subtropischen Luftmassen verursacht Druckdifferenzen: Die warme Luft steigt auf, sodass am Boden der Luftdruck sinkt und in höheren Luftschichten steigt. In den Polarregionen verhält es sich andersherum, dort sinkt die kalte, schwere Luft ab und erzeugt am Boden ein Hochdruckgebiet und in der Höhe ein Tiefdruckgebiet.

Da die Natur stets versucht, Unterschiede auszugleichen und ein Gleichgewicht herzustellen, findet eine Ausgleichsbewegung statt: Wind weht vom hohen zum tiefen Luftdruck, und zwar umso stärker, je größer die Druckunterschiede zwischen den Luftmassen sind.

Die beschriebenen Temperatur- und Druckunterschiede sind im Sommer nicht so groß wie im Herbst, Winter oder Frühjahr, sodass Sommerstürme im Allgemeinen nicht so heftig ausfallen wie Stürme in den anderen Jahreszeiten.

Auch ZELJKO ist zwar nicht so stark wie so mancher Wintersturm (sein erwarteter Kerndruck beträgt heute Mittag 995 hPa), dennoch kann er große Schäden anrichten, da die belaubten Bäume dem Wind eine deutlich größere Angriffsfläche bieten als im Winter (weiteres zu ZELJKO siehe auch Thema des Tages vom gestrigen Freitag).

Für Spaziergänger im Wald, Kinder im Zeltlager und Besucher von Freiluftveranstaltungen - und im Prinzip allen, die sich im Freien aufhalten - ist also am heutigen Samstag größte Vorsicht geboten.

Der letzte heftige Sommersturm namens WILLI fegte am 7. Juli 2001 über Deutschland hinweg. Alle 10-20 Jahre können also in der warmen Jahreszeit mal nicht Gewitter die Hauptrolle in der Wetterküche spielen, sondern vielmehr Stürme.

Bleibt uns zu hoffen, dass "das himmlische Kind" es gut mit uns meint und ZELJKO nicht allzu große Schäden anrichtet...

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.07.2015

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