In den meisten Teilen Deutschlands wurde in den vergangenen Wochen angesichts der nicht enden wollenden Hitze ordentlich geschwitzt (und zum Teil bestimmt auch geflucht). Das hohe Temperaturniveau wird voraussichtlich sogar dazu führen, dass der Juli 2015 zu einem der fünf heißesten Juli-Monate seit 1881 aufsteigen wird. Die Pole-Position in dieser Statistik, die der Juli 2006 ("Sommermärchen") mit einer Durchschnittstemperatur von fast 22 Grad immer noch einnimmt, scheint bei einer bisher erreichten Durchschnittstemperatur von etwa 20,6 Grad aber nicht in Gefahr zu sein. In den nächsten Tagen verabschiedet sich die Hitze nämlich aus Deutschland.
Besonders im Norden Deutschlands hat man von den hohen Temperaturen auch gar nicht so viel mitbekommen. An den Küsten gibt es einige Stationen, bei denen die positive Temperatur-Abweichung bisher nicht einmal ein Grad betragen hat und es an keinem Tag mehr als 30 Grad (per meteorologischer Definition ein "heißer Tag") gab. In Schönhagen an der Ostsee (Schleswig-Holstein) lag die Abweichung sogar nur bei 0,6 Grad bei einer maximalen Tageshöchsttemperatur von 25,7 Grad am 5. Juli. Im Süden und Südwesten hat die Hitze dagegen voll zugeschlagen, sodass dort mehrere Orte eine Abweichung von über 6 Grad aufweisen. Aktueller "Spitzenreiter" ist dabei das rheinland-pfälzische Pirmasens mit 6,6 Grad mehr als sonst üblich, wobei die Werte dieses Ortes noch einer genaueren Prüfung unterzogen werden müssen und daher etwas mit Vorsicht zu genießen sind.
Am heutigen Mittwoch setzt sich die Hitze bei weiter zunehmender Schwüle in der Mitte und im Süden mit Temperaturen von 30 bis 35 Grad noch fort, im Norden ist es bei 21 bis 29 Grad nicht ganz so heiß. Grund dafür ist eine Luftmassengrenze, die mehr oder weniger schon seit einigen Tagen über der Mitte Deutschlands zu finden ist und sich kaum bewegt. Sie trennt spürbar kühlere Luft im Norden von der schwül-heißen Luft im Süden. Dadurch erklären sich - zumindest zum Teil - auch die Unterschiede in der Durchschnittstemperatur dieses Monats.
Bis zum morgigen Donnerstagabend verschiebt sich diese Luftmassengrenze aufgrund des nachlassenden Hochdruckeinflusses über Süddeutschland dann aber doch in Richtung Alpenrand und drängt die Tropenluft unter reichlich Krawall und Getöse in Form von Blitz und Donner immer mehr nach Süden ab, frei nach dem Motto: "Nach der Hitze kommen die Blitze!". Somit sind bereits ab morgen selbst im Süden die 30 Grad passe. Die Höchsttemperaturen pendeln sich danach bis zum Wochenende auf 22 bis 27 Grad ein, im Norden liegen sie bei 19 bis 23 Grad.
Zum Anfang bzw. Mitte der kommenden Woche könnte es dann selbst mit den 25 Grad (per meteorologischer Definition ein Sommertag) allmählich schwierig werden, sollen diese dann doch nur noch örtlich erreicht werden. Viele Menschen im Süden Deutschlands werden sicherlich aufatmen, endlich besteht mal wieder die Chance, die Wohnung vernünftig durchzulüften.
Interessant bei dem zu erwartenden Temperaturrückgang in den nächsten Tagen ist, dass ab morgen eigentlich die sogenannten "Hundstage" beginnen, die bis zum 23. August andauern und in vielen Ländern Europas normalerweise die heißesten Tage des Jahres darstellen. Der Begriff "Hundstage" wird übrigens vom Sternbild "Großer Hund" abgeleitet (mehr Informationen dazu im Lexikon unter www.dwd.de/lexikon, Stichwort "Hundstage").
Daher ist auch noch nicht auszuschließen, dass die Hitze in diesem Sommer ein Comeback feiert. Wie das Wetter und die Temperaturen im August ausfallen werden, lässt sich heute jedoch noch nicht sagen. Selbst die Vorhersage für den Anfang der kommenden Woche steht schon auf wackligen Füßen. Genauso wie der August wieder heiß werden kann, ist auch ein kühler Monat denkbar. So beispielsweise im Sommer 2006: Nach dem Sommermärchen-Juli fiel der August um 1,1 Grad zu kalt aus. Was nun also demnächst auf uns zukommt, da können wir es ganz nach dem Motto unserer "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer halten: "Schau'n mer mal".
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst