Juli 2015 eine klimatologische Zwischenbilanz

Keine Frage, der Juli 2015 hat es in sich, so oder so. Sei es das omnipräsente, offensichtlich nicht enden wollende Thema "Griechenland" oder die Tour de France mit ihren zum Teil schweren Stürzen, um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Völlig klar, dass das Wetter da nicht hinten anstehen kann. Auch aus meteorologischer Perspektive hat die Atmosphäre bisher schon dicke Spuren im laufenden Monat hinterlassen, die für mehr als nur ein paar Schlagzeilen gut waren. Los ging es bei uns in Deutschland mit einer Bullenhitze, die es locker mit den zu dieser Jahreszeit eher in Südeuropa auftretenden hohen Temperaturen aufnehmen konnte und schließlich in einen Temperaturrekord (auf Basis der Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes DWD) mündete: 40,3°C wurden am Sonntag, den 5. Juli, im unterfränkischen Kitzingen gemessen.

Inzwischen hat sich die Hitze zurückgezogen und atlantischen Luftmassen Platz gemacht, die für wechselhaftes und eigentlich typisch mitteleuropäisches Sommerwetter sorgen. Allerdings - so viel sei an dieser Stelle schon verraten - arbeitet die Hitze mit Hochdruck an einem Comeback, was ihr im Laufe der Woche von Süden her sehr wahrscheinlich auch gelingen wird. Wann es wo wie heiß wird und wie lange das Ganze andauert, dazu in den nächsten Tagen mehr. Im heutigen Thema des Tages möchte der Verfasser eher rückblickend agieren und eine erste klimatologische Zwischenbilanz des laufenden Monats vorstellen. Als Datenbasis dienen dabei knapp 500 Wetterstationen des DWD, wobei sowohl der gestrige Montag (13.07.) als auch der heutige Dienstag (14.07.) noch nicht berücksichtigt sind.

Starten wir mit dem Parameter "Temperatur". Da verwundert es nicht, dass die ersten 12 Tage des Julis im Mittel zum Teil deutlich zu warm ausgefallen sind, auch wenn die anfänglich markant nach oben schießenden Spitzen inzwischen etwas gestutzt wurden. Gemittelt über alle Stationen beträgt die Abweichung derzeit noch etwa 4,0 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittel von 1961 bis 1990 (20,9°C vs. 16,9°C). Die geringsten Abweichungen mit lediglich 1,0 Grad gab es an der kühlenden Ostsee in Schönhagen (Schleswig-Holstein) sowie am Kap Arkona auf Rügen. Gleich 7,0 Grad zu warm war es hingegen im rheinland-pfälzischen Pirmasens (23,4°C vs. 16,4°C), wobei dieser Wert aufgrund seines Alleinstellungsmerkmals noch einer genaueren Prüfung bedarf und mit Vorsicht zu betrachten ist. Meist lagen die Abweichungen im Südwesten nämlich "nur" zwischen 5 und 6 Grad, ganz vereinzelt auch mal etwas darüber. Der Ort mit dem bisher höchsten Monatsmittel jedenfalls liegt ebenfalls in Rheinland-Pfalz und zwar an der südlichen Weinstraße. Auf satte 24,9°C kommt Bad Bergzabern, das entspricht einer Differenz von 5,9 Grad. Während die Mittelwerte der Temperatur vergleichsweise unspektakulär daherkommen (was an der Berücksichtigung der nächtlichen Temperaturen liegt), zeigt sich die Betrachtung der Tageshöchsttemperaturen deutlich interessanter. Dabei ist nicht nur bemerkenswert, dass an diversen Stationen ein Allzeitrekord für den Monat Juli aufgestellt wurde, sondern auch die Tatsache, dass an vielen Orten über mehrere Tage hinweg Tagesmaxima von weit über 30°C registriert wurden.

Kommen wir zum heiklen Thema "Niederschlag", der - wie so oft im Sommer - ein äußerst heterogenes Bild liefert. Das ändert aber nichts an der Grundaussage, dass es in weiten Teilen des Landes weiterhin deutlich zu trocken ist, womit die Natur erheblich zu kämpfen hat. Betrachtet man nur ein paar nüchterne Zahlen, sieht die Sache folgendermaßen aus: Den meisten Regen gab es bisher im kleinen Örtchen Demker unweit von Stendal (Sachsen-Anhalt). Dort wurden knapp 148 Liter pro Quadratmeter (l/qm) registriert, das sind fast 300% des vieljährigen Monatsmittels. Offensichtlich wurde Demker von einem oder mehreren, teils kräftigen Gewittergüssen getroffen, die zu einer so hohen Menge geführt haben. Abweichungen von mehr als 100% findet man sonst nur sehr selten, so z.B. in Quedlinburg (ebenfalls Sachsen-Anhalt) und Dachwig (Thüringen), wo jeweils etwa 60 l/qm gefallen sind (entsprechend 130 bzw. 120%). Die meisten Stationen können von solchen Regenmengen nur "träumen", kommen doch nicht wenige noch nicht mal auf zweistellige Niederschlagswerte. Ganz bitter sieht es in Sigmaringen-Laiz an der oberen Donau in Baden-Württemberg aus, wo bisher "Null-Komma-Nix" an Regen gefallen ist. Darüber hinaus ließen sich quasi in allen Bundesländern Orte finden, die es bisher auch nur auf wenige (einstellige) Liter pro Quadratmeter gebracht haben und somit häufig unter der 10%-Marke gemessen am Monatssoll liegen.

Bliebe abschließend noch der Blick auf die Aktivitäten der Sonne, die - wobei noch nicht mal die Hälfte des Monats rum ist - schon überdurchschnittlich hohe Präsenzzeiten aufzuweisen hat. Am häufigsten war sie im niederbayerischen Straubing zu sehen, wo der Sonnenscheinschreiber auf 149 Stunden kommt, was knapp zwei Drittel des Solls ausmacht. Prozentual noch besser steht das sächsische Bad Elster-Sohl mit 145 Stunden da. Dies entspricht knapp 80% des Monatsmittels. Da kann man im kleinen Örtchen Buchenbach im Südschwarzwald nur staunen, belegt dieser Ort mit etwa 78 Stunden nicht nur in der absoluten Betrachtung das Tabellenende, auch prozentual sind gerade mal 31% der niedrigste Wert. Da besteht noch reichlich Luft nach oben, was in den nächsten Tagen aber nachhaltig "in die Hand" genommen wird.

Ohnehin darf man sehr gespannt sein, was der Juli 2015 wettertechnisch noch so zu bieten hat und wie die Bilanz am Monatsende dann wirklich ausfällt. Wünschenswert wären im Sinne der Natur noch einige (am besten nicht-gewittrige) Regenfälle, auch wenn viele Urlauber und die Tourismusbranche das nicht so gerne hören. Wir Meteorologen haben es nicht in der Hand, am Ende entscheidet die Atmosphäre und somit die Natur selbst.

Dipl.-Met. Jens Hoffmann

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.07.2015

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