Zwar ist der kalendarische Sommer 2015 gerade erst drei Tage alt, trotzdem ist er bereits in aller Munde. "Kühl, nass und sonnenscheinarm" sind die Attribute, die bei vielen (nicht bei allen) von uns für eher miesepetrige Mienen und wenig bis gar kein Sommerfeeling sorgen. Dabei - seien wir doch mal ehrlich - war der Regen der vergangenen Tage in vielen Regionen des Landes mehr als dringend nötig (siehe dazu auch im Archiv das Thema des Tages von Dienstag, 23.06.2015 "Endlich Regen"), und dass bei länger andauerndem Regen keine 25 bis 30 Grad gemessen werden, ist außerhalb der Tropen auch völlig normal. Immerhin befinden wir uns in den mittleren Breiten, im Westen und Norden umgeben von Meeresgebieten, die nicht gerade für ausufernd hohe Temperaturen bekannt sind. Kommt nun die Luft, wie in den vergangenen Tagen, aus diesen Regionen, heißt es im Wetterbericht eben kurz und bündig "unbeständig mit Regenfällen, kühl". Dass das nicht ad infinitum so bleiben muss, ja bleiben wird, ist sehr wahrscheinlich, womit wir beim eigentlichen Thema wären: Wie geht es denn nun weiter?
Nun, um es vorweg zu nehmen. Den ganz großen Durchbruch wird es auch in den nächsten Tagen nicht geben, aber die Atmosphäre müht sich. Doch der Reihe nach. Aktuell haben wir es mit zwei Protagonisten in den für unser Wetter relevanten Gebieten zu tun (siehe dazu auch die Wetterkarte von Mittwochmittag, zu finden unter www.dwd.de/tagesthema). Zum einen ist da Tief OTTO über der nördlichen Ostsee mit Kurs Finnland. OTTO war und ist auch noch dafür verantwortlich, dass eine ordentliche Portion wolkenreicher Meeresluft aus polaren Breiten zu uns geströmt ist, die auch am heutigen Mittwoch noch große Teile des Landes mit etwas lokalem Regen oder Nieselregen beehrt. Als regelrechter "Wolkenfresser" - und damit wären wir beim zweiten Protagonisten - bringt sich nun zunehmend Hoch ZOE ins Spiel, das sich von Frankreich her bis nach Süddeutschland vorschiebt. Es sorgt dafür, dass sich die Wolken etwa südlich der Mainlinie weitgehend auflösen oder soweit auflockern, dass die Sonne für längere Zeit ihre Auftrittsmöglichkeiten bekommt. Durch ihre derzeit hohe Stellung am Himmel verfügt sie über reichlich Kraft, was sich freilich positiv auf die Temperaturentwicklung am und über dem Erdboden auswirkt. So steigt die Temperatur am heutigen Mittwoch im Süden auf 19 bis 24 Grad, wo am Dienstag keine 20 Grad erreicht wurden - immerhin. Im Norden und Osten hingegen bleibt es mit 15 bis 19 Grad eher unterdurchschnittlich temperiert. Am Donnerstag und Freitag ändert sich an der geschilderten Verteilung nicht viel. Zwar verzieht sich Tief OTTO in Richtung Nordpolarmeer, auf der anderen Seite schafft es Hoch ZOE aber nicht, einen substanziellen Zugriff auf die Regionen nördlich der Mittelgebirge zu bekommen. Kurzum, im Norden spielen abgesehen von wenigen Auflockerungen weiterhin die Wolken die Hauptrolle, wobei es hier und da etwas regnet oder nieselt. In der Mitte ist es heiter bis wolkig, während in Süddeutschland die Chancen auf längeren Sonnenschein am größten sind. Dort, aber auch in den westlichen Landesteilen geht es weiter bergauf mit dem Temperatur. 24 bis 29 Grad stehen am Freitag auf der Karte, was ohne Zweifel und sogar ganz offiziell (ab 25 Grad spricht der Meteorologe per definitionem von einem Sommertag) als sommerlich bezeichnet werden darf. Aber auch im bewölkten Norden und Osten wird es mit 18 bis 24 Grad wärmer, lediglich an Küstenabschnitten, wo der Wind von der mit 13 bis 16 Grad eher "schmal" temperierten Nord- und Ostsee kommt, bleibt es noch etwas kühler.
Am Wochenende versucht ein neues, allerdings weit draußen auf dem mittleren Nordatlantik positioniertes Tief, einen Fuß ins mitteleuropäische Wettergeschehen zu bekommen - mit Teilerfolgen. Vor allem am Samstag (möglicherweise schon am Freitagabend beginnend) kommt es von West nach Ost zu schauerartigen Regenfällen und Gewittern, was mit einer allgemeinen Abkühlung einhergeht. So kalt wie jetzt zu Wochenbeginn wird es aber nicht, meist reicht es für 20 Grad oder etwas mehr. Am Sonntag wiederholt sich dann das schon bekannte Schauspiel der Vortage. Besonders im Süden leichter Hochdruckeinfluss mit Sonnenschein, sonst häufig Wolkenüberschuss und gebietsweise etwas Regen, aber auch ein paar Lücken. Da lohnt sich ein Blick in Richtung Südwesteuropa, wo sich mittlerweile afrikanische Heißluft breitgemacht hat, die auf der Iberischen Halbinsel Temperaturen weit über der 30-Grad-Marke, im Süden sogar um oder über 40 Grad produziert. Diese Luftmasse kommt im Laufe der nächsten Woche nordwärts bis nach Westeuropa bzw. ins westliche Mitteleuropa voran. Besonders Frankreich dürfte davon profitieren, wobei der Begriff "Profit" angesichts der dort erwarteten Bullenhitze von der Bevölkerung eher mit gemischten Gefühlen gesehen werden dürfte. Ob die große Hitze schließlich auch zu uns nach Deutschland kommt, steht noch vollkommen in den Sternen. Am gestrigen Dienstag waren die Computerprognosen noch sehr optimistisch, so dass in einigen Medien schon von Hitzewelle und "Saharapeitsche" gesprochen wurde. Die heutigen Vorhersagen hingegen haben einen merklichen Dämpfer erhalten, will heißen, die heiße Luft bliebe danach weiter im Westen und würde uns - zunächst jedenfalls - nicht mit voller Breitseite treffen. Trotzdem würde es insgesamt wärmer werden, wobei die Chancen auf 30 Grad oder etwas mehr am ehesten im Süden und Westen gegeben wären. Wie auch immer, für Details ist noch viel Spielraum und man wird sehen, was die Computersimulationen der nächsten Tage so zu Papier bringen. Der Verfasser jedenfalls - so viel Meinungsfreiheit sei am Schluss erlaubt - kann gut und gerne auf eine Hitzewelle mit mehr als 30 Grad verzichten. Schaun mer mal...
Dipl.-Met. Jens Hoffmann
Deutscher Wetterdienst