Endlich Regen

Die Überschrift ist vielleicht etwas gewagt, denn das Wetterempfinden bzw. die "Wünsche" ans Wetter sind durchaus sehr subjektiv geprägt. Der eine fühlt sich bei heißem, trockenem Wetter am wohlsten, der andere liebt kühleres und wechselhafteres Wetter. Insbesondere die Landwirtschaft sowie Berufs- als auch Hobbygärtner benötigen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wärme, Sonnenschein und natürlich auch Regen. Und insbesondere in punkto Regen besteht regional doch großer Nachholbedarf.

Auch wenn in den zurückliegenden Wochen das Thema Trockenheit schon des Öfteren zur Sprache kam, soll hier nochmals kurz auf die in Teilen Deutschlands doch sehr ausgeprägte Trockenheit während des Frühjahrs 2015 und dabei vor allem im Monat Mai (siehe Abbildung unter www.dwd.de/tagesthema) eingegangen werden. Dargestellt ist die Niederschlagsmenge in Prozent vom langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Für den Mai zeigt sich ein breiter Streifen über der Mitte Deutschlands, in dem weniger als 50 %, teils sogar weniger als 25 % des im Durchschnitt zu erwartenden Regens gefallen ist. Betrachtet man das gesamte Frühjahr, also nach meteorologischer Lesart die Monate März, April und Mai, zeigt sich ein Gebiet, das vor allem Teile von Rheinland-Pfalz, Südhessen und Unterfranken umfasst, in dem weniger als die Hälfte (< 50 %) des Frühjahrsmittels registriert wurden. Im Norden sowie im Süden Deutschlands gab es in den vergangenen Monaten teils deutlich mehr Regen, gebietsweise sorgte dort ein "Zuviel an Regen" für Probleme.

Gerade in den mittleren Teilen Deutschlands, die im Frühjahr ein großes Regendefizit zu verzeichnen hatten, gab es auch im bisherigen Juni durchaus Niederschläge, meist allerdings in Form von Schauern oder Gewittern. Deren Ausprägung war zwar lokal sehr kräftig, die räumliche Ausdehnung allerdings doch eher begrenzt. So regnete es einerseits z. B. in Geisenheim (Hessen) am 12. 06.2015 53,2 Liter pro Quadratmeter in wenigen Stunden, das entspricht fast dem Monatssoll für den ganzen Juni von 59,3 Litern pro Quadratmeter. Andererseits lag aber die durchschnittliche Regensumme in Hessen bis einschließlich 21.06.2015 bei etwa 25 % des langjährigen Mittelwertes (1961-1990) für Juni, so dass also in rund 2/3 des Monats nur 1/4 des im Durchschnitt zu erwartenden Regens gefallen ist.

Doch nun war es am gestrigen Montag und auch in der vergangenen Nacht "endlich" soweit: Es gab recht flächendeckende Niederschläge und das auch in weiten Teilen der bisher sehr trockenen Regionen. In der Mitte und im Süden Deutschlands fielen vielerorts 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden, also von Montag 8 Uhr bis Dienstag 8 Uhr. Vor allem in den Weststaulagen der Mittelgebirge wie z. B. Eifel, Westerwald oder Vogelsberg wurden um 25 Liter, lokal etwas über 30 Liter in 24 Stunden registriert. Am meisten Regen fiel mit 35 bis knapp 50 Liter in der vergangenen Nacht (etwa 12 Stunden) allerdings im Allgäu, darauf soll an dieser Stelle jedoch nicht weiter eingegangen werden. Im Norden Deutschlands gab es insgesamt weniger Regen, dort traten vor allem Schauer und Gewitter auf, die räumlich recht begrenzt um 20 bis 25 Liter Regen brachten. Im Mittel fielen dort aber eher 5 bis 10 Liter seit Montagfrüh.

Heue geht es recht verbreitet mit Schauern und kurzen Gewittern weiter, so dass die Niederschlagssumme für den Monat Juni zumindest gebietsweise noch etwas wächst. Man darf gespannt sein, wie das Fazit zum Monatsende ausfallen wird.

Dipl.-Met. Sabine Krüger

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.06.2015

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