Januar, Februar, März, April...

"... die Jahresuhr steht niemals still.". Manch einem dürfte nun Rolf Zuckowskis Lied "Die Jahresuhr" im Kopf herumsausen. Sollte das nicht der Fall sein, disqualifiziert Sie das aber natürlich nicht für den weiteren Text des heutigen Thema des Tages - keine Sorge. Wie dem auch sei, dass sich die Jahresuhr weiter dreht dürfte einem spätestens am morgigen Sonntag wieder vor Augen geführt werden. Denn auch wenn das derzeitige Wetter in Deutschland eher nicht darauf schließen lässt, beginnt morgen auf der Nordhalbkugel zumindest laut Kalender der Sommer.

Der kalendarische Sommeranfang wird häufig auch astronomischer Sommeranfang genannt. Diese Bezeichnung ist genauso richtig, denn um zu verstehen, warum es überhaupt Jahreszeiten auf unserer Erde gibt, muss man unsere Erde vom Weltraum aus betrachten. Bekanntermaßen dreht sich die Erde zum einen um sich selbst, zum anderen aber auch um die Sonne. Der Knackpunkt ist nun, dass die Drehachse der Erde selbst gegenüber ihrer Umlaufbahn um die Sonne um 23,4 ° geneigt ist (siehe Grafik unter www.dwd.de/tagesthema). Zwischen Frühlings- und Herbstbeginn (also im Sommerhalbjahr) ist dadurch die Nordhalbkugel der Sonne stärker zugewandt, im Winterhalbjahr hat dagegen die Südhalbkugel dieses Vergnügen. Damit ändert sich im Laufe eines Jahres tagsüber auch der Einfallswinkel der Sonnenstrahlung auf die Erdoberfläche und dementsprechend auch ihre Intensität.

Dass der Sommeranfang auch mit dem "längsten" Tag des Jahres einhergeht und warum das so ist, wurde bereits im gestrigen Thema des Tages "Kaum 'Sommeranfangsfeeling'!" thematisiert. Aber wie "lang" ist denn nun eigentlich der 21. Juni bei uns? Da in unserem Sommer die Nordhalbkugel der Sonne stärker zugewandt ist, nimmt die astronomische Tageslänge von Norden nach Süden ab. In Flensburg beispielsweise hat der Tag morgen eine Länge von 17 Stunden und 19 Minuten. Im über 800 km südlicher gelegenen Oberstdorf ist die Sonne morgen dagegen theoretisch "nur" 15 h 57 min zu sehen (Werte basieren auf den Berechnungen von www.mondkalender-online.de/sonnenuntergang.asp). Zum Vergleich: Am astronomischen Winteranfang, also am "kürzesten" Tag, wäre die Sonne in Flensburg theoretisch nur 7 h 13 min, in Oberstdorf "immerhin" 8 h 27 min zu sehen. Dass dann in Sachen "Tageslänge" die Oberstdorfer die Nase vorne haben, liegt daran, dass im Winterhalbjahr die Südhalbkugel der Sonne stärker zugewandt ist.

Den Start in den Sommer wird das Wetter in Deutschland wohl verschlafen, denn die 25 Grad, ab denen wir Meteorologen von einem Sommertag sprechen, werden zumindest bis zur Wochenmitte dort wohl nirgends erreicht. Mal sehen, wie es weitergeht. Die Jahresuhr steht ja bekanntlich niemals still.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.06.2015

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