Ein abwechslungsreicher meteorologischer Sommeranfang

In der ersten Woche nach dem Beginn des meteorologischen Sommers Anfang Juni gestaltete sich das Wetter in Deutschland sehr abwechslungsreich. Der vergangene Montag, der im Kalender als meteorologischer Sommeranfang vermerkt ist, startete in der Mitte und im Osten Deutschlands mit Regen. Genau in diesen Regionen wurde er auch lange herbeigesehnt, da der Mai dort sehr trocken ausfiel. Die drei Stationen des Deutschen Wetterdienstes mit dem geringsten Niederschlag im Mai 2015 waren in Thüringen (Drei Gleichen-Mühlberg), Rheinland-Pfalz (Stromberg) und Hessen (Geisenheim) zu finden. Allerdings reichte dieser Niederschlag bei Weitem nicht aus, um die Trockenheit zu beenden. Vielerorts blieb es sogar komplett trocken. Und das war es das dann auch schon mit dem für die Pflanzenwelt so wichtigen "Treibstoff". Der sich nach und nach durchsetzende Einfluss des Hochs WALBURGA vertrieb die meisten Wolken im Laufe der Woche und brachte am Freitag verbreitet Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. Der gefallene Niederschlag war also eher wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Im Süden der Bundesrepublik sah das genau anders aus. Vor allem in Bayern brachte der Mai überdurchschnittlich viel "Nass", der Juni startete aber weitestgehend sonnig mit einzelnen Gewittern am Alpenrand. Auch in den südlichen Landesteilen waren Temperaturen am Freitag um 30 Grad keine Seltenheit.

Der Norden blieb zu Beginn des meteorologischen Sommers allerdings vermehrt unter Wolken, nur hier und da zeigte sich mal die Sonne. Regen und kühlere Meeresluft sorgten dort vor allem in der ersten Hälfte der vergangenen Woche nicht gerade für sommerliche Hochstimmung. Aber auch im windigen Norden setzte spätestens am Donnerstag sommerliches Wetter ein. Das Quecksilber stieg dort am Freitag sogar ebenfalls auf Werte um 30 Grad an.

Was wäre jedoch ein meteorologischer Sommeranfang ohne ein kräftiges Gewitter? Zwar nicht pünktlich zum 01. Juni, aber dann zum vergangenen Wochenende hin wurde Hoch WALBURGA mehr und mehr von Tief LOTHAR verdrängt. Vor dem Tiefausläufer von LOTHAR wurden mit einer südwestlichen Strömung zunehmend feucht-warme Luftmassen subtropischen Ursprungs nach Deutschland geführt, die bereits am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag für gewittrige Entladungen mit Starkregen sorgten. Unter anderem wurde in der Nacht zum Samstag die Großveranstaltung "Rock am Ring" mit knapp 90000 Besuchern in Mendig (Rheinland-Pfalz) von Gewittern getroffen, sodass kurzzeitig das Programm unterbrochen werden musste. Zudem sorgte die eingeflossene Warmluft örtlich sogar für die erste Tropennacht in diesem Jahr mit Tiefstwerten von 21 Grad im rheinland-pfälzischen Bad Bergzabern.

Am Samstagmorgen zogen die Gewitter südostwärts, schwächten sich allerdings etwas ab und legten am Vormittag sogar eine kurze Pause ein. Mit Einsetzen des Tagesgangs, d.h. mit zunehmender Sonneneinstrahlung, nahm die Gewitteraktivität allerdings am Mittag und Nachmittag vor allem in südlichen und östlichen Landesteilen der Bundesrepublik wieder zu. Im äußersten Süden Bayerns, besser gesagt in Elmau, wo sich am gestrigen Sonntag Staats- und Regierungschefs beim G7-Gipfel die Hände schüttelten, gab es bereits am Samstagmorgen ein kurzes Gewitter und auch am Samstagabend bekamen die bereits angereisten Zuschauer, Helfer und Gäste erneut Gewitter mit einer "himmlischen Dusche" ab. Diese Gewitter zogen in der Nacht zum Sonntag unter nordöstlicher Verlagerung ab.

Rückseitig des von LOTHAR ausgehenden Tiefausläufers floss deutlich kühlere Luft vom Atlantik ein und brachte am Sonntag in weiten Teilen Deutschlands eine Wetterberuhigung. Der einsetzende Einfluss des nächsten Hochs XENIA über dem Nordatlantik vertrieb am Vormittag die Wolken und sorgte von Westen her wieder für verbreitet sonniges Wetter. Der Süden Deutschlands lag allerdings noch vor dem Tiefausläufer. In der dort nach wie vor schwül-warmen Luftmasse traten auch am Sonntagnachmittag vor allem südlich der Donau weitere Gewitter mit kräftigem Starkregen und Hagel auf.

Am heutigen Montag setzt sich in der Nordhälfte der Hochdruckeinfluss von XENIA weiter fort und sorgt für heiteres und trockenes Wetter. In den südlichen Landesteilen gibt es im Bereich der dort verharrenden Luftmassengrenze bei starker Bewölkung immer wieder Schauer, kräftige Gewitter und Starkregen, die zum Abend hin etwas nach Norden ausgreifen. Vor allem am Alpenrand muss heute und am morgigen Dienstag weiterhin mit einzelnen Gewittern mit Starkregen sowie Hagel gerechnet werden. In der zweiten Wochenhälfte setzt sich voraussichtlich wieder überall wärmere Luft durch.

M.Sc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.06.2015

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