Gräserpollen auf dem Vormarsch

Einen Tropfen auf den heißen Stein in Form von Niederschlägen durch Schauer und Gewitter gab es am gestrigen Pfingstmontag in einigen Teilen Deutschlands, insbesondere in der Mitte und im Süden. Örtlich konnten dabei zweistellige Regenmengen beobachtet werden, am meisten Regen fiel mit 31 Liter pro Quadratmeter auf dem Feldberg im Schwarzwald und am bayrischen Alpenrand in Hindelang-Unterjoch. Nach Norden und Osten hin waren die Niederschläge schwächer ausgeprägt, gebietsweise blieb es sogar wieder trocken. Einerseits ist durch die zum Teil anhaltende Trockenheit die Waldbrandgefahr in einigen Regionen Deutschlands weiterhin hoch (siehe auch www.dwd.de/waldbrand), andererseits sind auch viele Pollen unterwegs. Aktuell sind dabei vor allem Gräserpollen in der Luft. Die Schauer und Gewitter haben durch Auswaschung der Luftpartikel meist nur kurzzeitig eine Besserung gebracht.

Die eigentliche Pollenflugsaison beginnt häufig schon im Januar (siehe dazu den Pollenflugkalendar der Stiftung Deutscher Pollenfluginformationsdienst, zu finden unter www.dwd.de/tagesthema), manchmal sogar schon im Dezember. Unter günstigen Witterungsbedingungen sind dann erste Erlen- und Haselpollen unterwegs. Ende Januar schließen sich auch Pappel-, Weiden-, Eschen- und Eichenpollen an, wenn es das Wetter erlaubt. Im Februar kommen Hainbuchen- und Birkenpollen dazu, im März steigen Buchen-, Kiefer- und Gräserpollen ein. Ab April sind Spitzwegerich-, Roggen- und Brennnessel-, ab Mai Beifuß- und ab Juni Ambrosiapollen (Taubenkrautpollen) möglich.

Für die acht allergologisch wichtigsten Blütenpollen gibt es beim Deutschen Wetterdienst Vorhersagen der Belastungsintensität durch den sogenannten Pollenflug-Gefahrenindex. Zu diesen acht wichtigsten Blütenpollen zählen die Pollen der Hasel, Erle, Esche, Birke, Gräser, Roggen, Beifuß und der Ambrosia. Etwa 95% der geschätzt rund 15 Millionen Pollenallergiker in Deutschland leiden beim Flug dieser Pollen. Vorhersagen sind unter www.dwd.de/pollenflug abrufbar, die sich auch per E-Mail als Newsletter unter www.dwd.de/newsletter (Stichpunkt "Pollenflug-Gefahrenindex") abonnieren lassen.

In den aktuellen Vorhersagen zeigt sich, passend zum im Pollenflugkalendar angegebenen Termin, dass die Hauptblüte der Gräser begonnen hat. So wird für heute und morgen meist mit einer mittleren oder hohen Belastung durch Gräserpollen gerechnet. Insbesondere am Oberrhein wird die höchste Belastung erwartet, während sie an der östlichen Nordseeküste am geringsten ist. Beim Roggen hat die Hauptblüte, die üblicherweise für Ende Mai einzuplanen ist, noch nicht begonnen. So gibt es überwiegend noch keine oder nur eine geringe Belastung, allenfalls am Oberrhein ist eine mittlere Belastung zu finden. Keine Belastung mehr tritt durch Birkenpollen auf, deren Saison vorbei ist. Auch Beifuß- und Ambrosiapollen fliegen noch nicht, da ihre Saison in diesem Jahr noch nicht angefangen hat.

In den nächsten Tagen bleibt es leicht wechselhaft, wobei es heute und morgen zunächst aber vielfach trocken ist. Ab Donnerstag stehen wieder vermehrt Niederschläge auf dem Zettel, auch am Wochenende sieht es nach Regen oder Gewitter aus. Das dürfte den Pollenflug zumindest zeitweise hemmen. Zudem sprechen die bis zum Wochenende nur langsam ansteigenden Temperaturen ebenso gegen ein verstärktes Wachstum der Natur.

Dipl.-Met. Simon Trippler

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.05.2015

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