Die Atmosphäre, in der wir uns befinden, ist der Kämpfer für Gerechtigkeit schlechthin. Das Wetter auf unserer Erde fußt prinzipiell einzig und allein darauf, dass die Atmosphäre versucht, den großen Temperaturunterschied zwischen Äquator und den beiden Polen auszugleichen. Dass dieser Gerechtigkeitswille im Detail nicht unbedingt faire Folgen hat, wird einem beispielsweise beim Blick auf die momentane Niederschlagsverteilung in Deutschland sehr schnell klar.
Hier sticht besonders der Süden und Südosten Bayerns ins Auge, wo es seit vergangenem Dienstag regnet, regnet und nochmals regnet. Bis heute früh kamen dort dabei verbreitet 30 bis 50, lokal auch über 70 l/m² zusammen. An der Station Berchtesgaden/Jenner wurden in diesem Zeitraum sogar 150 l/m² gemessen, auf der Zugspitze über 180 l/m². Da verwundert es nicht, dass unter den "Top 18" der "nassesten" Stationen im Mai 2015 bisher 17 davon in Bayern liegen. Einzig der Feldberg im Schwarzwald konnte sich dort "hineinmogeln" und belegt mit bisher 212,3 l/m² (entspricht 129 % des langjährigen Mittels im Mai (164,5 l/m²)) sogar Rang 3 in dieser Kategorie. Spitzenreiter ist aktuell die Zugspitze mit 243 l/m² (141,7 %, 171,9 l/qm²) gefolgt von der Station Mittenwald-Buckelwiesen bei Garmisch-Partenkirchen mit 239,2 l/m² (166,0 %, 144,1 l/m²).
Erst im heutigen Tagesverlauf wird der Niederschlag im Südosten spürbar nachlassen und letztlich abklingen. Dass es in den Alpenflüssen trotzdem - wenn überhaupt - nur zu leichtem Hochwasser kam bzw. kommt, liegt vor allem daran, dass der Regen in den Hochlagen der Alpen als Schnee am Boden ankam. Auf der Zugspitze fiel seit vergangenem Dienstag über 1,5 m Neuschnee, was dort eine Gesamtschneemenge von aktuell 5 m zur Folge hat. Das ist allerdings noch relativ harmlos verglichen mit dem Jahr 1965. Damals wurden dort am 12. Mai unglaubliche 7,4 m gemessen.
Während im Süden und Südosten Bayerns die meisten wohl die Nase voll haben vom Regen, besteht in weiten Teilen Deutschlands seit Monaten ein großer Bedarf desselben. Besonders trocken ist es derzeit in der Mitte und im Osten. In Waltershausen (Thüringen) beispielsweise kam in diesem Monat bisher ein "Regensümmchen" von 3,8 l/m² (5,8 %, 66,0 l/m²) zusammen. In Frankfurt am Main wurden seit Anfang März nur 48,1 l/m² (entspricht 29,3 % des langjährigen Mittels von März bis Mai (163,9 l/m²)) gemessen.
Dementsprechend hoch ist natürlich auch die Waldbrandgefahr. Eine Einschätzung dazu liefert der vom DWD berechnete fünfstufige Waldbrandgefährdungsindex (Stufe 1: sehr geringe Gefahr, Stufe 5: sehr hohe Gefahr), den Sie auf unserer Startseite mit Klick auf den Reiter oben links "Wetter + Warnungen", Klick links auf "Agrarwetter" und abschließendem Klick rechts auf "[mehr]" bei "Waldbrandgefährdungsindex" finden.
Man sieht (Klick rechts unter "Thema des Tages" auf "[mehr]"), dass auch in den Folgetagen besonders im Osten mit einer mittleren bis hohen, z.T. auch sehr hohen Waldbrandgefahr gerechnet werden muss. Ab Montag wird es zwar überall wieder etwas wechselhafter, ausreichend Regen fällt aber in den kommenden Tagen wohl nicht und den meisten Niederschlag bekommt voraussichtlich sogar wieder der Süden ab. Also fair ist das wirklich nicht, liebe Atmosphäre...
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst