Vor dem Monsun...

Geologisch betrachtet stellt der indische Subkontinent eine eigene tektonische Einheit dar, die sog. Indische Platte. Er wird im Norden durch das Himalaya-System von Zentralasien getrennt, in östlicher Nachbarschaft zu Hinterindien durch das Patkai- sowie das Arakan-Joma-Gebirge gesäumt, im Westen durch das Bergland von Belutschistan begrenzt und im Süden vom Indischen Ozean umspült, mit dem Arabischen Meer westlich und dem Golf von Bengalen östlich der Halbinsel Vorderindien. Sieben Staaten liegen auf dem Subkontinent, und zwar Bangladesh, Bhutan, Indien, die Malediven, Nepal, Pakistan und Sri Lanka. Etwa die Hälfte der Landmasse liegt südlich des Wendekreises des Krebses, also in den Tropen.

Diese geografische Lage und seine starke Gliederung in verschiedene Landschaftsformen, von tief liegenden Küstenstreifen und Flussebenen über ausgedehnte Hochflächen bis zu den höchsten Bergen der Erde, bewirken eine außerordentliche klimatische Vielfalt. Dabei wird das Klima des indischen Subkontinents wesentlich durch das Himalaya-Massiv und die Wüste Thar beeinflusst. Die weitgehend zonal verlaufenden Gebirgsketten verhindern den Zustrom von Kaltluftmassen aus dem Hochland von Tibet und den winterkalten Ebenen Zentralasiens. Die Wüste Thar indes bewirkt im Sommer als Heizfläche die Ausbildung eines geräumigen Hitzetiefs, welches die Monsunzirkulation verstärkt.

Sofern man die Köppen-Geiger-Klimaklassifikation zugrunde legt, finden sich vier grundlegende Klimazonen: Tropische Regenwaldklimate (mit A bezeichnet) entlang der Malabarküste, im südlichen Assam, im Südwesten von Sri Lanka sowie auf den Malediven; Trockenklimate (B) im größten Teil Pakistans, im Regenschatten der Westghats, im Hochland von Dekkan sowie in den Regionen westlich des Aravalligebirges einschließlich der Wüste Thar; warme, wintertrockene Klimate (C) im Ganges-Tiefland und winterkaltes Klima (D) in den Hochgebirgen. Die Klimazonen lassen sich in weitere sieben Klimatypen unterteilen (Af, Am, Aw, BSh, BWh, CWa, CWb, Dw).

In Südasien bestimmt der Monsun das Dasein der Menschen ("Regen- und Trockenzeit") als Wasserspender, in wirtschaftlicher Hinsicht, oftmals aber auch mit drastischen Folgen für Leib und Leben im Falle von Dürren oder Überschwemmungen. Er ist sozusagen Fluch und Segen zugleich. Der indische meteorologische Dienst (India Meteorological Department, IMD) unterscheidet vier offizielle Jahreszeiten, und zwar den Winter von Dezember bis April, den Sommer von April bis Juni/Juli, den MONSUN (eigtl. Sommermonsun) von Juni/Juli bis September/Oktober und die Nachmonsunzeit von September/Oktober bis Dezember.

Kurz vor Beginn des Indischen Monsuns ist die Region die heißeste auf der ganzen Erde. Verbreitet werden Tageshöchsttemperaturen von mehr als 40 °C beobachtet. Beispielsweise wurden am gestrigen 22. Mai 2015 im pakistanischen Sibi (Provinz Balutschistan, 29°33'N, 67°53'E, 133 m Höhe) sowie in Nawabshah an den Ufern des Indus (26°17'N, 68°20'E, 37 m Höhe) jeweils 49,0 °C gemessen und Jacobabad (Provinz Punjab, 28°38'N, 68°31'E, 55 m Höhe) registrierte 47,0 °C.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.05.2015

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