Seit Donnerstagnachmittag fiel zwischen Schwarzwald und Alpen einiges an Regen. Nach kurzer Beruhigung deutet sich insbesondere für die zweite Wochenhälfte eine neue Dauerregensituation für den äußersten Süden Deutschlands an. Dabei liegen noch höhere Niederschlagssummen als zuletzt im Bereich des Möglichen. Aufgrund der nun gebietsweise doch recht nassen Historie könnte durch den zusätzlichen Wassereintrag auch die Hochwassergefahr ansteigen.
Im Wesentlichen zeigen die Wettermodelle, wie z. B. das amerikanische GFS, das deutsche ICON, insbesondere aber das europäische Modell ECMWF, Signale für ergiebige Niederschläge, die mit wechselnder Intensität und Ausprägung mindestens zwischen Mittwoch und Freitag nächster Woche anhalten. Auch was den möglichen Schwerpunkt der Niederschläge angeht, rechnen die Wettermodelle ähnliche Szenarien. So soll am direkten Alpenrand sowie allgemein im Alpenraum am meisten Regen fallen.
Wenn es über den als seriös geltenden Vorhersagezeitraum von drei bis fünf Tagen hinausgeht, sind wir Meteorologen aber stets vorsichtig mit voreiligen Aussagen über bestimmte Wetterereignisse. Zur Abschätzung der Vorhersageunsicherheiten ziehen wir die sogenannten probabilistischen Wettermodelle heran. Bei verschiedenen Wetterdiensten wird neben den "üblichen", als deterministisch bezeichneten Wettervorhersagen nämlich noch ein sogenanntes Ensemble von Vorhersagen gerechnet. Dabei erhält man nicht nur eine, sondern gleich eine Vielzahl an Vorhersagelösungen. Laufen die verschiedenen Lösungen stark auseinander, spricht dies für eine große Vorhersageunsicherheit. Zeigen die Lösungen dagegen ähnliche Ergebnisse, kann man davon ausgehen, dass die Vorhersage mit hoher Wahrscheinlichkeit in die von den Wettermodellen angedeutete Richtung gehen wird.
Schaut man sich nun die verschiedenen Ensembles an, zeigt eine Mehrheit der Mitglieder der Ensembles hohe Niederschlagsmengen im Dauerregenbereich, wobei auch die räumliche Exposition der Niederschlagsgebiete vergleichbar ist. Aus dem neusten Ensemble des europäischen ECMWF-Modells lassen sich so zum Beispiel für größere Teile des Alpenraums Wahrscheinlichkeiten für Dauerregen über 40 l/qm in 48 Stunden (bis Donnerstag, 14 Uhr MESZ) von über 50 % ableiten. (siehe Grafik auf www.dwd.de/tagesthema). Auf Grundlage der probabilistischen Wettermodelle ist also mit einer erhöhten Eintreffwahrscheinlichkeit des Dauerregenereignisses, ganz besonders im Alpenraum, auszugehen.
Nichtsdestotrotz wird wohl noch der ein oder andere Tag ins Land ziehen, bevor genauere Aussagen (Schwerpunkt und Ausprägung der Niederschläge) über die potenziell bevorstehende Dauerregenwetterlage gemacht werden können. Allerdings sollte sich zumindest der äußerste Süden Deutschlands auf einige nasse Tage einstellen.
Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst