Der Mai lockt ins Frei?!

...so heißt es zumindest im Volksmund. Und in der Tat ist es um den Monat Mai, dem vieljährigen Mittel (1961-1990) nach zu urteilen, mit einer bundesweiten Durchschnittstemperatur von 12,1 Grad und einer Sonnenscheindauer von 196 Stunden gar nicht so schlecht bestellt. Der April sieht mit einer Durchschnittstemperatur von 7,4 Grad und einer Sonnenscheindauer von lediglich 152 Stunden deutlich wechselhafter aus. Also nichts wie raus ins Grüne, oder?

Bereits zum Monatsanfang ließ Mutter Natur den viel gefeierten "Tanz in den Mai" zumindest im Süden Deutschlands sprichwörtlich ins Wasser fallen. Der vergangene Sonntag stand dem in nichts nach. In vielen Teilen Deutschlands sorgte dichte Bewölkung und Regen nicht gerade für frühlingshafte Gefühle. Am heutigen Dienstag lassen die vorhergesagten Temperaturen zumindest auf einen vielerorts sommerlichen Tag schließen. Allerdings stehen auch kräftige Gewitter ins Haus, die lokal Starkregen, schwere Sturmböen und Hagel im Gepäck haben. Was ist da denn los in unserer Erdatmosphäre?

"Schuld" am aktuellen Wettergeschehen ist das Tief ZORAN über den Britischen Inseln, das feucht-warme Luftmassen in einer südwestlichen Strömung aus dem westlichen Mittelmeergebiet nach Deutschland transportiert. Der eigentliche Ursprungsort ist sogar in der Sahararegion zu finden. Dies führt am heutigen Dienstag zu Tageshöchstwerten zwischen 20 und 28 Grad, zusammen mit kräftiger Sonneneinstrahlung und Föhn können im Südosten Deutschlands sogar bis 30 Grad erwartet werden.

Mit Durchzug der Kaltfront von ZORAN wird die warme Luft jedoch von kühlerer Atlantikluft verdrängt. Im Grenzbereich dieser beiden Luftmassen kommt es dabei ab den Mittagsstunden zu Gewittern, die generell durch starke Aufwinde gekennzeichnet sind. Wie bereits im Thema des Tages vom 01.05.2015 beschrieben (siehe www.dwd.de/tagesthema), kommt es dabei zu Ladungsunterschieden an Wolkenober- und Untergrenze und somit zum Aufbau einer Spannung von mehreren zehn Millionen Volt. Der Abbau dieser Spannung erfolgt durch Blitze, vor denen man wohl besser in Deckung geht. Aber wie verhalte ich mich denn am besten, wenn ich mich bei aufziehenden Gewittern im Freien befinde?

Natürlich wäre die beste Lösung, Schutz in Gebäuden mit Blitzableitern oder Fahrzeugen mit metallener Karosserie zu suchen. Diese leiten nach dem Prinzip des Faraday'schen Käfigs den Blitz in den Boden ab, sodass die Gefahr von Verletzungen minimiert werden kann. Hat man allerdings gerade kein Gebäude oder Fahrzeug zur Hand, ist man dem Gewitter dann hoffnungslos ausgeliefert?

Der Volksmund rät im Allgemeinen dazu, "Eichen zu weichen und Buchen zu suchen". Davon ist allerdings abzuraten. Blitze suchen sich häufig hohe Objekte als Ziel aus, vor allem, wenn diese frei stehen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich dabei nun um eine Eiche oder eine Buche handelt. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, sich von offenem Gelände, Berggipfeln sowie frei stehenden Objekten wie Bäumen, Antennen, etc. fern zu halten. Zu Überlandleitungen sollte ein Mindestabstand von 50 Metern unbedingt eingehalten werden. Schutz findet man möglichst in Bodensenken, sozusagen am niedrigsten Punkt der Umgebung. Hier empfiehlt es sich, mit eng zusammengestellten Füßen in die Hocke zu gehen, da so verhindert wird, dass besonders viel Strom durch den Körper fließen kann. Außerdem sollte man den Kopf und Nacken schützen, da Gewitter unter Umständen Hagelschlag verursachen.

Grundsätzlich sollte man bei Aufenthalten in der Natur immer aufmerksam sein und bei den ersten Anzeichen eines Gewitters, d.h. bei aufziehenden dunklen Wolken mit Blitz und Donner in der Ferne, möglichst einen sicheren Zufluchtsort suchen. Alternativ empfiehlt es sich natürlich, sich bereits im Vorfeld über mögliche Unwettererscheinungen unter www.wettergefahren.de zu informieren. Unterwegs lassen sich Wetterwarnungen auch bequem mit dem Handy unter http://mobil.dwd.de abrufen.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.05.2015

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