Die Tage des Aprils 2015 sind gezählt. Verabschieden wird er sich mit einem apriltypisch wechselhaften Wetter. Da nun mit dem 01. Mai der nächste Feiertag ansteht, werfen wir zunächst einen kurzen Blick auf die Wetteraussichten.
Am Freitag kommt es im Süden Deutschlands bei starker Bewölkung zunächst noch zu weiteren Regenfällen, die jedoch allmählich nach Osten abziehen. In den restlichen Gebieten muss im Tagesverlauf bei meist wechselnder bis starker Bewölkung mit einzelnen kurzen Schauern gerechnet werden. Gegen Abend lässt die Schauertätigkeit bei auflockernder Bewölkung deutlich nach. Die Temperatur steigt am Nachmittag auf 11 bis 14, am Oberrhein bis 15 Grad. Im Bergland bleibt es mit 7 bis 10 Grad etwas kühler. Der Wind weht mäßig bis frisch, an den Küsten, im Bergland sowie in Schauernähe überwiegend stark aus Südwest.
Allgemein sieht dies also eher nach einem durchschnittlichen 01. Mai aus. Welche Extremwerte an diesem Tag in den vergangenen Jahrzehnten auftraten, soll nun im heutigen Thema des Tages thematisiert werden.
Betrachten wir zunächst die Rekorde der Höchsttemperatur an einem 01. Mai. In dieser Kategorie stellt sich eindeutig das Jahr 2005 als Gewinner heraus, denn die ersten sechs Plätze stammen aus diesem Jahr. Spitzenreiter ist seitdem die Station Rheinau-Memprechtshofen (131 m ü. NN) am Oberrhein mit 31,1 Grad. Auf Platz zwei liegen mit 31,0 Grad gleich zwei Stationen, Koblenz-Falkensteinkaserne (84 m ü. NN) sowie das weiter nördlich liegende Andernach (75 m ü. NN). Den dritten Platz teilen sich gleich drei Stationen: Freiburg (237 m ü. NN), Frankfurt (Main)-Westend (124 m ü. NN) und Waibstadt (237 m ü. NN). Dort wurde ein Höchstwert von 30,9 Grad gemessen.
Nun gibt es genau den gegensätzlichen Fall, nämlich dass während einer recht kühlen Witterungsphase die Temperatur kaum anstieg. Hierfür bemühen wir die Statistiken des tiefsten Maximums. Wie nicht anders zu erwarten, sind hierunter überwiegend höher gelegene Bergstationen zu finden. Da dies doch recht uninteressant ist, betrachten wir lediglich Stationen unterhalb von 800 m. An der Messstation Fichtelberg-Hüttstadl (657 m ü. NN) in Oberfranken stieg die Höchsttemperatur im Jahr 1970 nicht über 1,1 Grad. Am gleichen Tag blieb es in Reit im Winkl (685 m ü. NN) mit 1,2 Grad ebenfalls "recht kühl". Die Jahre 1947 und 1909 zeigen allerdings, dass dieses Phänomen auch in tieferen Lagen möglich ist. In dem jeweiligen Jahr stieg die Temperatur an der Station Arkona auf Rügen (42 m ü. NN, 1947) nicht über 2,8 Grad und in Aachen-Orsbach (231 m ü. NN, 1909) nicht über 3,1 Grad.
Als Nächstes stehen die Tiefstwerte auf der Agenda. Den ersten und zweiten Platz belegen hier wiederum Wetterstationen in höheren Berglagen (nur Stationen unterhalb von 800 m berücksichtigt). Auf der Schwäbischen Alb sank am 01.05.1962 das Quecksilber in Münsingen-Apfelstetten (750 m ü. NN) auf -8,0 Grad und in Villingen-Schwenningen (720 m ü. NN) auf -7,4 Grad. Den dritten Platz belegen die bayerischen Stationen Weißenburg (422 m ü. NN) und Freystadt-Oberndorf (436 m ü. NN) mit -6,7 Grad, wobei diese Tiefstwerte aus dem Jahr 1942 stammen.
Unmittelbar in Erdbodennähe kann bei nächtlicher Ausstrahlung die Temperatur noch weiter absinken. Bei dieser Betrachtung werden wiederum nur Messstationen herangezogen, die unterhalb 800 m liegen. Die Grenze zu sehr strengem Frost mit -10 Grad erreichte Merklingen (685 m ü. NN) im Jahr 1962. Unwesentlich wärmer war es 1984 in Geisingen (672 m ü. NN). Dort sank die Temperatur 5 cm über dem Erdboden auf -9,8 Grad. Eine solch starke Auskühlung kann ebenfalls auf Meeresniveau auftreten. Hier sticht unter anderem Dörpen (8 m ü. NN) unweit der Emsmündung mit -8,0 Grad aus dem Jahr 1962 heraus. Vor zwei Jahren konnte in Schleswig-Holstein auf demselben Höhenniveau ein ähnlicher Wert registriert werden. In Leck (7 m ü. NN) kühlte die Luft in Erdbodennähe auf -7,7 Grad ab. Abschließend nehmen wir noch die 24-stündige Niederschlagsmenge unter die Lupe. Der Messzeitraum erstreckt sich in diesem Fall vom 01. Mai, 06 UTC (koordinierte Weltzeit) bis zum darauf folgenden Morgen 06 UTC. In dieser Kategorie belegt Mittenwald-Buckelwiesen (983 m ü. NN) mit 92,3 mm (1959) den ersten sowie Kiefersfelden-Gach (518 m ü. NN) mit 85,7 mm (1959) den zweiten Platz. Seit nunmehr 22 Jahren liegt Michelstadt-Vielbrunn (453 m ü. NN) mit 75,9 mm an dritter Position dieser Rangliste.
Ein weiterer Aspekt zum Thema Niederschlag ist die Frage nach dessen Phase (fest oder flüssig). So ist es durchaus möglich, dass sogar bis ins Tiefland nochmals Schnee fallen kann. Am 01.05 1970 konnte an den brandenburgischen Stationen Neuruppin (38 m ü. NN) und Zehdenick (51 m ü. NN) eine Neuschneedecke von immerhin einem Zentimeter gemessen werden.
Somit werden nach den derzeitigen Erkenntnissen am diesjährigen 01. Mai voraussichtlich keine neuen Allzeitrekorde gebrochen. Dennoch zeigen die Extremwerte, dass trotz der schon weit fortgeschrittenen Jahreszeit nicht nur sommerliche, sondern auch noch winterliche Witterungsbedingungen auftreten können.
Hinweis:Bei der Auswertung wurden nur Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes berücksichtigt.
M.Sc.-Met. Andreas Würtz
Deutscher Wetterdienst