Sonne, Sonne und nochmals Sonne. In den letzten Tagen kamen die Fans von strahlend blauem Himmel in Deutschland, mit nur kurzen Ausnahmen, voll auf ihre Kosten. Dazu gab es zum Teil auch noch sommerlich anmutende Temperaturen. Kann es denn etwas Schöneres geben? Nicht nur beim Blick auf die Wasseruhr dürfte bei den Garten- und Naturfreunden unter uns die Antwort auf diese Frage wohl eindeutig lauten: "Ja! Regen!!".
Mit Ausnahme des äußersten Südens und Südostens konnte bisher fast überall nicht einmal ein Drittel der für April erwarteten Regensumme verbucht werden (Vgl. mit vieljährigem Mittel 1961-1990). Während im vergangenen März zumindest die Nordhälfte niederschlagstechnisch voll im Soll lag, fiel auch der Februar verbreitet zu trocken aus. Wirklich bundesweit zu nass war es zuletzt im Januar dieses Jahres.
Darüber dürften die Bewohner im Westen der USA wohl nur müde lächeln. Besonders in Kalifornien hält die momentane Dürre bereits seit Ende 2011 an. Es ist damit die schwerste Trockenperiode seit Beginn der regulären Wetteraufzeichnungen 1895, wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge zum Teil sogar seit etwa 1200 Jahren. Verantwortlich hierfür zeigt sich hoher Luftdruck über dem nördlichen Pazifik, welcher sich als wahre Blockade für Tiefdruckgebiete sowie deren Ausläufer erweist. Folglich erreichen die damit verbunden Niederschlagsgebiete meist nie in voller Stärke Kalifornien, sondern entweder nur in abgeschwächter Form oder eben überhaupt nicht.
Aktuell ist nach Angaben des U.S. Drought Monitors knapp 47 % der Fläche Kaliforniens von einer außergewöhnlichen Dürre betroffen (Stand: 21.04.2015), was der höchsten Dürre-Kategorie entspricht (siehe Grafik in der Rubrik rechts "Thema des Tages" unter Klick auf [mehr]). Als größter Agrarproduzent und mit rund 38 Mio. Einwohnern bevölkerungsreichster Staat der USA liegt der dortige hohe Bedarf an Wasser auf der Hand.
Normalerweise lässt sich das Jahr in Kalifornien aus klimatologischer Sicht in eine Regenzeit (November bis April) und eine Trockenzeit (Mai bis Oktober) einteilen. In den letzten Jahren regnete es dort in der Trockenzeit etwas weniger als im vieljährigen Mittel, was allerdings im Normalfall kein größeres Problem darstellen würde. Der Niederschlag, der während der Regenzeit eigentlich zu Hauf fällt und in Stauseen gespeichert wird, reicht normalerweise aus, um die Wasserversorgung in Kalifornien "über den Sommer zu bringen". Höchst problematisch wird es natürlich dann, wenn die Regenzeit ihrem Namen nicht gerecht wird, so wie es während dieser Dürre bisher der Fall war bzw. ist. Der mittleren Niederschlagssumme in der Regenzeit von knapp 500 l/m² (Referenzzeitraum 1961-1990) stehen beispielsweise zwischen November 2013 und April 2014 nur 262 /m² gegenüber. In der Folge betrugen die Wassermengen der zwölf größten Stauseen Kaliforniens Anfang April 2015 nur 16 bis 88 % der vieljährig-mittleren Füllmenge.
Forciert wird die Dürresituation außerdem noch durch ein außergewöhnlich hohes Temperaturniveau, welches den Wasserreserven durch entsprechend hohe Verdunstung zusätzlich "an den Kragen" geht. Die Jahre 2012 bis 2014 sind allesamt unter den Top 6 der wärmsten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn zu finden, wobei das vergangene Jahr 2014 diese Rangliste mit einer Mitteltemperatur von 16,4 Grad anführt (2,2 Kelvin wärmer als vieljähriges Mittel; Temperaturunterschiede werden per Definition in Kelvin und nicht in Grad Celsius angegeben, der reine Zahlenwert ist aber identisch). Dieses Jahr scheint bisher noch einen draufsetzen zu wollen. Verglichen mit dem vieljährigen Temperaturmittel waren Januar und Februar um 3,2 bzw. 4,0 Kelvin zu warm, der März sogar um 4,5 Kelvin!
Und beim Blick in die Zukunft ist nicht wirklich Besserung in Sicht. Zum einen endet nun die "Regenzeit", zum anderen setzt sich Langfristprognosen der NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) zufolge das hohe Temperaturniveau auch in den kommenden beiden Monaten fort, sodass sich die Dürresituation eher noch verschärfen als entspannen dürfte. Da sieht es bei uns in Deutschland doch deutlich besser aus: "Pünktlich" zum Wochenende übernehmen Tiefdruckgebiete wieder die Regie über "unser" Wetter und bringen ihn, den ersehnten Regen.
Hinweis: Nähere Informationen zur Dürresituation in Kalifornien finden Sie im DWD-Bericht vom 17.04.2015 unter: http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Presse/Hintergrundber ichte/2015/Duerre__Kalifornien__PDF,templateId=raw,property=publicati onFile.pdf/Duerre_Kalifornien_PDF.pdf
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst