Aufmerksame Leser des DWD-Tagesthemas und andere Interessierte werden sich sicherlich erinnern: Das Jahr 2014 war global gesehen hinsichtlich der Luft- und Wasseroberflächentemperatur das wärmste seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen. Nach einer Phase geringer Veränderungen im Zeitraum zwischen 2000 und 2013 ereignete sich ein neuer, deutlicher Erwärmungsschub. Die Antwort auf die Frage, ob es sich dabei nur um ein Strohfeuer handelte oder ob das Jahr 2014 ein neues Kapitel in der Geschichte der globalen Klimaerwärmung aufschlug, muss allerdings aus klimawissenschaftlichen Gründen vertagt werden. Die Tatsache, dass nun auch das Jahr 2015 weitere Wärmerekorde aufstellt, spricht aber eher für eine längerfristige Fortsetzung der beschleunigten Erwärmung.
Die US-amerikanische Wetter- und Ozeanographiebehörde (NOAA) stufte den März 2015 hinsichtlich der Lufttemperaturen als den wärmsten seiner Art seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahre 1880 ein. Die vorangegangenen Monate Januar und Februar sollen jeweils die zweitwärmsten in der 135 Jahre langen Geschichte gewesen sein. Die Kombination dieser durchaus als "extrem warm" zu bezeichnenden Monate ergibt nach Angaben der NOAA den wärmsten Jahresstart überhaupt. Nie war der Zeitraum von Januar bis März global gesehen also wärmer als in diesem Jahr.
Diese Erkenntnis steht in einem scheinbaren Konflikt mit dem extrem kalten und schneereichen Winter in den mittleren und östlichen Teilen Nordamerikas. Dabei handelte es sich aber um ein verhältnismäßig kleinräumiges Phänomen, das durch sehr präsente mediale Berichterstattung nur besonders im Fokus der Öffentlichkeit stand. Im überwiegenden Teil der Erde war es schlichtweg wärmer als man auf Grundlage vieljähriger Mittelwerte erwarten dürfte (siehe dazu die Grafik der Temperaturabweichungen auf www.dwd.de/tagesthema).
Die Erde "schwitzt" also 2015 weiter und zeigt auch scheinbar Symptome in Form extremer Wetterereignisse, die alleine für den Monat März eine beeindruckend lange Liste ergeben. Da wären beispielsweise ungewöhnlich starke tropische Wirbelstürme, wie Zyklon "Pam", der auf Vanuatu (Südsee) für enorme Zerstörung sorgte, oder auch Taifun "Maysak", der mit hoher Wahrscheinlichkeit als die teuerste Naturkatastrophe in die Geschichte Mikronesiens eingehen wird. Dazu gesellen sich große Anomalien in der Niederschlagsverteilung. Regionen, die von einer anhaltenden Trockenheit heimgesucht werden (z. B. Kalifornien), stehen Regionen mit weit überdurchschnittlichen Niederschlagssummen (z. B. Flutkatastrophe in der chilenischen Atacamawüste) gegenüber. Die im März 2015 einen neuen Tiefststand erreichende Ausdehnung des arktischen Eisschildes gilt darüber hinaus als weiteres Indiz der vorangeschrittenen Erwärmung.
Der angespannte Blick der Klimaforscher richtet sich nun auf die Entwicklungen in der nahen Zukunft. Setzt sich die zuletzt starke globale Erwärmung der Luft und der Wasseroberflächen fort oder erlischt das Strohfeuer vorerst?
Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst