Wirbel am Indischen Ozean

Nach Abzug von Sturmtief NIKLAS, wechselhaftem Osterwetter und anschließendem Luftdruckanstieg samt Wetterberuhigung hält nun meteorologische Langeweile in Mitteleuropa Einzug. Daher sei die Aufmerksamkeit des geneigten Lesers auf das Umfeld des Indischen Ozeans gelenkt, wo sich interessantere Wetterentwicklungen abspielen. Ein Satellitenbild im infraroten Spektralbereich (Meteosat 10,8 µm) vom gestrigen 07.04.2015, 12:00 UTC, finden Sie rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr].

Zunächst betrachte man die Region Ostafrika auf der linken Seite der Aufnahme. Die weißen Tupfen zwischen Harare (17°50'S, 31°03'E, 1490 m Höhe) im Süden und Addis Abeba (09°01'N, 38°45'E, 2355 m Höhe) im Norden sind mächtige Gewitterkomplexe, die auch als Mesoskalige Konvektive Systeme (engl. MCS) bezeichnet werden und die eine charakteristische Wirbelstruktur aufweisen. Sie entstehen im Zusammenhang mit der Innertropischen Konvergenzzone (ITCZ), einem im Laufe des Jahres den Sonnenhöchstständen folgenden, weltumspannenden Tiefdruckgürtel, in dem starke Konvektion vorherrscht und der über dem erhitzten Festland besonders stark ausgeprägt ist. In seinem Bereich treten, mit Schwerpunkt in der zweiten Tageshälfte, oftmals von heftigen elektrischen Entladungen begleitete Starkregenfälle auf, die Zenitalregen genannt werden. Beispielweise fielen innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis Mittwoch früh 06:00 UTC an der Wetterstation Mzuzu (Malawi, 11°20'S, 33°56'E, 1251 m Höhe) 62 mm Regen in den Messbecher.

In der Mitte sowie am rechten Rand des Satellitenbildes sieht man die tropischen Wirbelstürme (Zyklone) JOALANE (14°11'S, 62°35'E) bzw. IKOLA (19°53'S, 93°50'E). JOALANE zieht mit ca. 6 Knoten Marschgeschwindigkeit südwärts. Er wird den Höhepunkt seiner Entwicklung laut Angaben des Joint Typhoon Warning Center am Donnerstagabend mit Windgeschwindigkeiten von 140 Knoten (knapp 260 km/h) und Böen von 170 Knoten (über 300 km/h) erreichen. Zum Glück verläuft seine Zugbahn rund eintausend Kilometer östlich der Inseln Mauritius und Reunion. IKOLA marschiert fernab jeglichen Landes mit südöstlichem Kurs und 14 Knoten Zuggeschwindigkeit in Richtung Westaustralien. Er hat seinen Zenit bereits am Dienstagabend (Ortszeit) bei Spitzenböen von 115 Knoten (gut 200 km/h) überschritten und wird wohl nicht mehr an der australischen Küste landen.

Die Linien auf dem Satellitenbild sind vom Wettervorhersagemodell des EZMWF berechnete Isotachen, also Linien gleicher Windgeschwindigkeit, angegeben in Knoten (engl. Abkürzung kt, 1 Knoten = 1,852 km/h). Das vom Modell berechnete Starkwindgebiet am linken unteren Rand des Bildes detektiert östlich von Südafrika die Kaltfront eines außertropischen Tiefdruckgebietes der mittleren Breiten auf der Südhalbkugel. Bewegt man sich gedanklich auf der Erde entlang eines Längenkreises vom Nordpol zum Südpol, so wiederholen sich die Klimazonen und Windgürtel der Nordhalbkugel in umgekehrter Reihenfolge auf der Südhalbkugel. Es gibt also auch am Kap der Guten Hoffnung Warm- und Kaltfronten und die Bewohner Kapstadts kennen Stau und Föhn am Tafelberg genauso wie die Münchener an den Alpen.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.04.2015

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst