Phänologisch betrachtet endete zusammen mit dem Äquinoktium (Tag- und Nachtgleiche) am 21. März der Vorfrühling in Deutschland und machte Platz für den sogenannten Erstfrühling - eine beliebte Jahreszeit im Kalenderjahr. Die Temperaturen steigen, Nachtfröste werden seltener und die Natur zeigt sich allmählich von einer ihrer schönsten Seiten. Während Laubbäume erst langsam aus ihrem Winterschlaf erwachen, setzt vielerorts bereits die Obstblüte ein. Auch andere Buschpflanzen wie zum Beispiel Forsythien präsentieren ihre markante gelbe Blütenpracht. So schön und beliebt die Jahreszeit bei vielen auch sein mag, birgt sie doch einen unerfreulichen Nebeneffekt: den Pollenflug!
Pollen sind winzig kleine Keimzellen (siehe Abbildung auf www.dwd.de/tagesthema), die während der Blütezeit von den Pflanzen zur Fortpflanzung ausgesandt und vorwiegend durch den Wind verbreitet werden. Sie enthalten potente Allergene, die bei Menschen gesundheitliche Beschwerden wie Niesattacken bis hin zu Atemwegserkrankungen auslösen können (Heuschnupfen). Art und Intensität der Reaktion können dabei von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Statistiken zufolge leiden etwas mehr als 15% der deutschen Bevölkerung unter allergischen Reaktionen aufgrund von Pollenflug - Tendenz steigend!
Mit Einsetzen des Erstfrühlings und der damit verbundenen vielseitigen Blütenpracht beinhaltet die Luft in der freien Natur momentan ein sehr breites Spektrum an Blütenpollen. Hinzu kommt, dass aufgrund der globalen Erwärmung der letzten Jahre der Pollenflug früher einsetzt und auch länger anhalten kann.
Sollte man jetzt als Allergiker während der Pollensaison lieber zu Hause bleiben und die Blütenpracht nur vom Fenster aus betrachten? Nun, zum Glück unterliegt der Pollenflug starken Schwankungen. Je nach Region und Wetterlage fällt der Pollenflug unterschiedlich stark aus. So können zum Beispiel Regenfälle zum Auswaschen der Atmosphäre beitragen. Unter http://www.dwd.de/pollenflug finden Sie dazu einen speziellen Gefahrenindex für Pollenflug, der ihnen eine Vorhersage über die potentielle Belastungsintensität gibt. Regional unterteilt können Sie hier das Belastungsrisiko für die allergologisch wichtigsten Blütenpollen (Hasel, Erle, Esche, Birke, Gräser, Roggen, Beifuß, Ambrosia) ablesen.
Während der überwiegend trockenen Hochdruckwetterlage der vergangenen Tage wurden überwiegend Allergiker von Hasel- und Erle-Pollen Opfer einer hohen Belastungsintensität, allerdings schwächt sich der Pollenflug nach Ende der Blütezeit dieser Pflanzen schon wieder ab. In höheren Lagen sowie in Norddeutschland hingegen endet sie später, so dass die Belastungsintensität dort noch anhält. Zum Wochenende nimmt der Tiefdruckeinfluss allgemein zu und die von Westen langsam über Deutschland hinweg ziehenden Tiefausläufer gestalten das Wetter unbeständig mit wiederholten leichten Niederschlägen. Dadurch wird der Pollenflug aber nur geringfügig reduziert. Für Allergiker gilt demnach weiterhin: Taschentuch bereithalten!
Arne Spitzer und M.Sc.-Met. Anna Wieczorek
Deutscher Wetterdienst