Wettbewerb der Temperaturen

Wer kennt das nicht: Wir laufen in der wärmeren Jahreszeit durch die Straßen und finden innerhalb kürzester Zeit verschiedene Lufttemperaturen auf den "öffentlichen" Anzeigen diverser Geschäfte oder Informationstafeln. Die Unterschiede betragen durchaus 5 Grad innerhalb von ein paar Metern. Wie kann das kommen? Zum einen sind das Unterschiede der einzelnen Thermometerbauarten, zum anderen hängt die gemessene Lufttemperatur auch von der Umgebung ab. Im heutigen Thema des Tages setzen wir voraus, dass uns perfekte Thermometer zur Verfügung stehen. Diese würden unter gleichen Umgebungsbedingungen die gleichen Temperaturen anzeigen. Die unterschiedlichen Umgebungsbedingungen sorgen aber dafür, dass auch perfekte Thermometer verschiedene Temperaturen anzeigen.

Es ist natürlich jedem klar, dass ein Thermometer, das von der Sonne beschienen wird, andere Temperaturen anzeigt als eines im Schatten. Das im Sonnenschein liegende Thermometer zeigt nämlich zusätzlich zur Lufttemperatur seine Eigenerwärmung durch die direkte Sonneneinstrahlung an. Daher sollten also Temperaturen im Schatten gemessen werden.

Wir bauen also ein Dach über das Thermometer, das so gestaltet ist, dass die Sonne das Thermometer selbst niemals erreichen kann. Dann kann aber immer noch ein von der Sonne über die Lufttemperatur erwärmter Gegenstand, z.B. eine Hauswand oder der Boden seine Strahlungsenergie an das Thermometer abgeben. Das Thermometer darf also von seiner dem direkten Sonnenlicht ausgesetzten Umgebung möglichst wenig "sehen". Daher muss es in einer Kiste seine Messungen machen.

Wir wissen, dass sich dunkle Gegenstände im Sonnenschein stärker erwärmen als helle. In einer schwarzen Kiste wird es also wärmer als in einer weißen Kiste. Wir wollen aber nicht die Lufttemperatur in einer Kiste messen, sondern die der Außenluft. Dazu muss die Kiste belüftet werden. Das macht man mit Lamellen, die so gestaltet sind, dass zwar die Luft, die bei Sonnenschein immer in Bewegung ist, durch die Kiste strömen kann, aber trotzdem keine Sonnenstrahlung direkt auf das Thermometer fällt. (Ein Bild dazu finden Sie, wenn Sie in der rechten Spalte unter dem Thema des Tages auf "mehr" drücken.)

Wir sehen also, dass die Temperaturen je nach Umgebungsbedingungen unterschiedlich sein werden. Die oben beschriebene weiße Kiste heißt in der Meteorologie Thermometerhütte bzw. Wetterhütte und ist international genormt. Daher sind die offiziellen Messwerte vergleichbar.

Im Gegensatz dazu sind die Umgebungsbedingungen der "öffentlichen" Thermometer unterschiedlich. Und daher sollten wir uns nicht wundern, dass wir so unterschiedliche Temperaturen innerhalb so geringer Entfernung sehen. Dabei gewinnt das Thermometer den Wettbewerb um die höchste Temperatur, das am stärksten von der Umgebung beeinflusst wird.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.03.2015
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst