Ein kräftiger Wirbelsturm hat sich am 9. März 2015 bei etwa 8 Grad südlicher Breite und 170 östlicher Länge über dem Südpazifik gebildet und bedroht nun einige Südseeinseln. Am heutigen Donnerstagmorgen (Mitteleuropäischer Zeit) befindet er sich rund 350 km nordöstlich des Inselstaates Vanuatu, der zu den Südseeinseln gehört und seinerseits etwa 1800 km vor der Nordostküste Australiens liegt (siehe dazu auch die Grafik unter http://www.dwd.de/tagesthema). Wirbelstürme in dieser Region werden als Zyklon bezeichnet und wie Hurrikane bekommen auch sie einen Namen. Der aktuelle Zyklon wurde auf "Pam" getauft und könnte in den nächsten Stunden zu einem der kräftigsten Zyklonen der letzten Jahre mit entsprechendem Schadenspotenzial in dieser Region werden.
Heute Morgen erreichte "Pam" mit seinem "Auge" von etwa 75 km Durchmesser Windgeschwindigkeiten von geschätzt 215 km/h in der Spitze. Damit ist er nach der fünfteiligen Saffir-Simpson-Skala für Wirbelstürme in die Kategorie 4 einzuordnen. Das Ende der Fahnenstange ist damit allerdings noch nicht erreicht, weil sich der Sturm unter günstigen Bedingungen mit warmen Meeresoberflächentemperaturen über 29 Grad noch weiter verstärken wird und am Freitag und Samstag für Windgeschwindigkeiten von 260 km/h sorgen soll. Nach Vorhersagen des japanischen Wetterdienstes sind sogar Spitzenböen bis 315 km/h möglich! Damit würde er die höchste Kategorie 5 erreichen und den Status eines Super-Zyklons bekommen. Die Bezeichnung "Super" setzt bei Zyklonen (und Taifunen) bei den Sturmböen mindestens eine Geschwindigkeit von 240 km/h voraus. Bei Hurrikanen wird in solch einem Fall meist das Präfix "Major" benutzt, dafür wären aber "nur" Windböen über 180 km/h nötig.
Immer wieder wird die Region im Südpazifik von starken Zyklonen heimgesucht. Zyklone der Kategorie 4 oder 5 kommen gar nicht so selten vor. 2014 beispielsweise sorgte Zyklon "Ita" (Kategorie 4) vom 4. bis zum 14. April für Windspitzen bis 250 km/h, als er sich südlich von Papua-Neuguinea in Richtung Australien verlagerte, um dort an der Nordostküste an Land zu gehen. "Gut" in Erinnerung geblieben ist auch Zyklon "Yasi" (Kategorie 4), der vom 30. Januar bis zum 3. Februar 2011 auf ähnlicher Zugbahn ebenso Australien erreichte und auch Windspitzen bis 250 km/h zu bieten hatte.
Von der Zugbahn her wandert Zyklon "Pam" von seinem aktuellen Standort nun in südliche Richtung weiter und bedroht damit vor allem die Inseln von Vanuatu. Ausläufer des Sturmtiefs sind wahrscheinlich aber auch bis zu den Fidschi-Inseln und nach Neu-Kaledonien zu spüren. Nach Berechnungen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (EZMW) in Reading ist ein Kerndruck von unter 910 hPa möglich, womit einer der tiefsten Kerndrücke der vergangenen Jahre erreicht werden würde. Andere Wetterdienste halten sogar 880 hPa für möglich, womit man nicht mehr weit entfernt ist vom tiefsten jemals auf der Erde festgestellten Luftdruck. Dieser liegt bei 870 hPa und wurde im Zentrum des Taifuns "Tip" auf dem Nordwestpazifik am 12. Oktober 1979 ermittelt.
Neben dem extremen Wind sind vor allem auch heftige Regenfälle eine unerwünschte Begleiterscheinung. Diese sind besonders auf Vanuatu zu erwarten. Bis zu 300 Liter Regen können dort innerhalb von 24 Stunden pro Quadratmeter niedergehen. Das ist gleichzusetzen mit 30 normal großen Eimern a 10 Liter Wasser! Zum Vergleich: In Deutschland fallen innerhalb eines Jahres ungefähr 800 Liter Regen.
Entsprechend der Zugbahn-Vorhersage gibt es auf Vanuatu, den Fidschi-Inseln und auf Neu-Kaledonien Warnungen vor dem Zyklon. Durch den extrem heftigen Regen und die Orkanböen ist mit starken Überschwemmungen und großen Zerstörungen zu rechnen.
Am Sonntag zieht "Pam" dann weiter in Richtung Südosten, sodass der Einfluss auf Vanuatu allmählich nachlässt. Gleichzeitig wird sich der Wirbelsturm abschwächen, weil ihm nun durch die weiter südlich nicht mehr ganz so hohen Meerestemperaturen die "Nahrung" rationiert wird.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst