Der Zwiebellook muss her!

Wem ist es in den vergangenen Tagen nicht aufgefallen, der Tagesgang der Temperatur war zuletzt ziemlich groß - vor allem dann, wenn sowohl tags als auch nachts wenig oder sogar überhaupt keine Wolken am Himmel zu finden waren. Am Morgen war empfindlich kalt, teils sogar frostig und am Nachmittag schon richtig warm. Man weiß gar nicht, was man anziehen soll, wenn man zeitig aus dem Haus gehen muss und tagsüber nicht die Möglichkeit auf ein komplettes "Kleidungsupdate" hat. Es gilt also sowohl "Frieren am Morgen" als auch " Schwitzen am Nachmittag" zu vermeiden. Mit anderen Worten, der Zwiebellook muss her: mehrere Lagen - wie bei einer Zwiebel - dünnerer Kleidungsstücke übereinander halten zu Tagesbeginn warm und geben genug Spielraum, um sich bei steigenden Temperaturen der einen oder anderen Lage zu entledigen. Die Temperaturspanne kann dabei durchaus bei +/- 15 bis 20 Grad liegen. Nachfolgend finden sich ein paar Beispiele der letzten beiden Tage (Tiefsttemperatur=Tmin, Höchsttemperatur=Tmax, Temperaturdifferenz=Tdiff):

Sonntag, 08.03.2015: Potsdam (Brandenburg): Tmin 5 Grad, Tmax 18 Grad, Tdiff 13 Grad Nideggen (NRW): Tmin 5 Grad, Tmax 20 Grad, Tdiff 15 Grad Mannheim (Baden-Würt.): Tmin -3 Grad, Tmax 15 Grad, Tdiff 18 Grad Kempten (Bayern): Tmin -4 Grad, Tmax 14 Grad, Tdiff 18 Grad

Montag, 09.03.2015: Darmstadt (Hessen): Tmin -2 Grad, Tmax 18 Grad, Tdiff 20 Grad Saarbrücken-Burbach (Saarland) Tmin -1 Grad, Tmax 17 Grad, Tdiff 18 Grad

Wie kommt es zu diesen großen Temperaturamplituden im Laufe des Tages? Der Grund hierfür ist im Strahlungshaushalt der Atmosphäre zu finden. Tagsüber werden der Erdboden und die darüber befindlichen Luftschichten von der Sonne erwärmt. Die Strahlungsenergie der Sonne wird vom Boden zunächst gespeichert und der Boden erwärmt sich. Vom Boden aus wird dann ein Teil der Wärmeenergie abgegeben, dadurch werden die unteren Luftschichten erwärmt und die Lufttemperatur steigt kräftig an. Nachts wird aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung mehr Wärmeenergie vom Boden abgegeben und kaum noch etwas aufgenommen. Der Boden und die darüber liegenden Luftschichten kühlen sich wieder kräftig ab. Sind Wolken vorhanden, fällt der Strahlungsgang allerdings deutlich schwächer aus: tagsüber können sich aufgrund der abgeschirmten Sonneneinstrahlung der Boden und damit auch die Luft weniger erwärmen (von Advektionsprozessen, also dem Herantransport wärmerer Luft, abgesehen), nachts wird dagegen die Auskühlung gebremst, da die vom Boden abgegebene Wärmestrahlung durch die Wolken absorbiert (aufgenommen) und zum Boden zurück gestrahlt wird. Auch das Verhältnis zwischen Tages- und Nachtlänge sowie der Sonnenstand spielen eine Rolle. Man merkt es zwar schon deutlich, die Tage werden wieder länger, aber noch sind die Nächte mit etwa 12,5 Stunden länger als der Tag mit ungefähr 11,5 Stunden (es folgen Sonnenauf- und -untergangszeiten vom 10.03.2015, jeweils in Ortszeit):

Görlitz: Sonnenaufgang 6:27 Uhr, Sonnenuntergang 17:56 Uhr Aachen: Sonnenaufgang 7:01 Uhr, Sonnenuntergang 18:31 Uhr

Aktuell steht also noch etwas mehr Zeit zur Auskühlung während der Nachtstunden als zur Erwärmung tagsüber zur Verfügung. Dennoch hat die Sonne aufgrund eines bereits recht hohen Sonnenstandes schon recht viel "Kraft", so dass am vergangenen Sonntag in Nideggen (westliches NRW) mit einer Höchsttemperatur von 19,9 Grad die 20-Grad-Marke fast erreicht wurde. Die Verhältnisse bzgl. Sonnenstand sowie Auf- und Untergangszeiten der Sonne sind in etwa mit denen Ende September/Anfang Oktober vergleichbar.

Zum Teil gibt es auch noch Schneeflächen, über denen die nächtliche Abkühlung besonders stark ist. Dies liegt daran, dass die eingestrahlte Sonnenenergie vom Schnee zum größten Teil reflektiert und nicht absorbiert, also nicht in Form von Wärme gespeichert wird. Die wenige Energie, die von der Schneeschicht aufgenommen wird, fließt zudem nicht in die Erwärmung des Bodens, sondern in die Schneeschmelze. Nachts fehlt die Bodenwärme, der Schnee liegt ja darüber und er selbst hat eben tagsüber keine Wärme gespeichert. Die Temperaturen gehen über schneebedecktem Boden nach einer klaren Nacht daher noch etwas stärker zurück.

Auch heute wird vor allem in den süd- und südöstlichen Landesteilen ein großer Tagesgang der Temperatur erwartet, denn dort war die Nacht verbreitet klar und auch der heutige Dienstag wird noch überwiegend sonnig sein. Im Norden und Nordwesten sind dagegen mit einem schwachen Tiefausläufer dichte Wolkenfelder aufgezogen, die sich im Tagesverlauf in die Mitte, zum Abend hin weiter südostwärts ausbreiten und gebietsweise etwas Regen bringen. Nachfolgend kommt im Nordwesten zwar auch wieder die Sonne häufiger zum Vorschein, mit morgendlichen Tiefstwerten zwischen 2 und 7 Grad und erwarteten Höchsttemperaturen von 10 bis 12 Grad ist der Tagesgang der Temperatur in der herangeführten, kühleren Luft aber deutlich geringer.

Dipl.-Met. Sabine Krüger

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.03.2015
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