Wann kommt der Frühling?

Zweistellige Höchstwerte wurden am vergangenen Freitag in der Mitte und im Süden Deutschlands gemessen. In der im Nordwesten Baden-Württembergs gelegenen Stadt Mühlacker (nahe Pforzheim) wurden sogar 14,7 Grad erreicht, was den Spitzenwert dieses Tages für Deutschland darstellte. Am gestrigen Samstag zogen Wärme und zweistellige Temperaturen in den Osten des Landes, während es sonst schon wieder kühler wurde. Die höchste Temperatur gab es mit 12,1 Grad in Dresden-Strehlen (Sachsen). Am heutigen Sonntag sind zweistellige Temperaturen kein Thema mehr, wohl aber die Frage, wann der Frühling nach diesem Vorgeschmack tatsächlich bei uns einzieht.

Gibt man auf diese Frage eine triviale Antwort, so beginnt der Frühling am 1. März um 0 Uhr MEZ. Dann nämlich startet der meteorologische Frühling. Im Gegensatz dazu geht der astronomische Frühling, womit wir bei einer weiteren trivialen Antwort wären, erst am 20. März um 5.30 Uhr MEZ los. Die unterschiedlichen Zeitpunkte für den Frühlingsbeginn beruhen auf einer Festlegung von Meteorologen, die vor Beginn des Computerzeitalters im 20. Jahrhundert getroffen wurde. Seitdem umfassen immer drei Monate eine Jahreszeit, wobei der erste Tag des ersten Monats den Jahreszeitenbeginn markiert und der Frühling aus den Monaten März, April und Mai besteht. Hintergrund für diese Festlegung war, dass sich ganze Monate einfacher statistisch auswerten ließen. Darüber hinaus stellte man aber auch fest, dass die meteorologischen Jahreszeiten die klimatische Situation der Jahreszeiten besser widerspiegeln als die astronomischen Jahreszeiten.

Eine nicht ganz so einfache Antwort erhält man, wenn man den Frühlingsbeginn mit den phänologischen Jahreszeiten in Zusammenhang bringt. In der Phänologie werden die im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen der Pflanzen betrachtet und in Phasen eingeteilt. Nach der phänologischen Uhr gibt es im Frühling drei Phasen: Vor-, Erst- und Vollfrühling. Ihren jeweiligen Beginn kann man durch sogenannte Leit- bzw. Ersatzphasen ermitteln. Als Leitphase für den Vorfrühling dient dabei der Blütenbeginn der Hasel, für den Erstfrühling der Blütenbeginn der Forsythie und für den Vollfrühling der Blütenbeginn der Apfelbäume. Für die jeweiligen Phasen konnte aus Beobachtungen in den letzten Jahren ein mittleres Eintrittsdatum gefunden werden. Demnach beginnt der Vorfrühling durchschnittlich am 13. Februar, der Erstfrühling am 27. März und der Vollfrühling am 28. April.

In diesem Jahr hat die Natur aufgrund des zu milden Winters wie im letzten Jahr einen Vorsprung. So lag der Beginn der Haselblüte bei einem Meldeaufkommen von 62 % etwa 9 Tage vor dem mittleren Eintrittsdatum. Hochgerechnet auf den Erstfrühling würde dieser dann am 18. März beginnen (weitere Informationen und aktuelle Daten zum Thema Phänologie finden Sie unter www.dwd.de/phaenologie).

Eine weitere Antwort auf die eingangs gestellte Frage lässt sich aus statistischen Betrachtungen finden. Dazu definieren wir uns (recht willkürlich) einen "statistischen Frühlingsbeginn", wobei an drei aufeinanderfolgenden Tagen mindestens an zwei Tagen eine Höchsttemperatur von über 15 Grad erreicht werden soll und es dabei vorherrschend trocken und heiter ist. Schaut man sich die vergangenen 10 Jahre an, so begann der Frühling diesen Kriterien nach im Norden (repräsentiert durch Hamburg) durchschnittlich am 1. April und im Süden (vertreten durch München) am 15. März.

So oder so, egal wie man die Frage nun beantwortet, steht in den nächsten Tagen weniger frühlingshaftes Wetter an. Die 15 Grad sind vorerst in weiter Ferne, meist wird es nasskalt und teils auch ziemlich windig. Diesbezüglich werden wir daher wohl noch auf den Frühling warten müssen.

Dipl.-Met. Simon Trippler

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.02.2015
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