Derzeit herrscht ruhiges Hochdruckwetter. In den Gebieten, wo sich die Sonne zeigt, steigen die Temperaturen tagsüber auf schon vorfrühlingshafte Werte von 5 bis 11 Grad. Schnee hat es schon über eine Woche nicht mehr gegeben und in tiefen Lagen haben bereits erste Frühblüher ihre Blüten geöffnet. Jetzt werden sich viele fragen, ob der Frühling naht, oder ob es noch mal einen Wintereinbruch geben kann?
In den nächsten Tagen ändert sich die Großwetterlage in Mitteleuropa spürbar. Mit dem Kaltlufteinbruch in Nordamerika strömt auch kalte Luft über den relativ warmen Nordatlantik, sodass sich dort zahlreiche Tiefdruckgebiete bilden. Diese verdrängen bei ihrer Ostverlagerung unser mitteleuropäisches Hochdruckgebiet und ziehen ab dem Wochenende in rascher Abfolge über Nordeuropa von West nach Ost hinweg. Ihre Ausläufer sorgen auch im Bundesgebiet für wechselhaftes Wetter mit vielen Wolken und häufigem Regen. Dabei wird abwechselnd milde Atlantikluft und kühlere Subpolarluft herangeführt. Die Schneefallgrenze schwankt dadurch zwischen 400 und 1300 m. Der Winter bleibt also in den Bergen. Dort gibt es in den Kammlagen voraussichtlich bis Anfang März sogar noch einen Schneezuwachs, sodass dort die meist noch guten Wintersportbedingungen erhalten bleiben. Im Tiefland liegt das Temperaturniveau weiterhin bei etwa 5 bis 10 Grad. Aber auch dort kann es zeitweise zu Graupelschauern und leichten Nachtfrösten kommen. Und wie sieht es im gesamten Monat März aus? Brauchbare Wettervorhersagen sind bis zu maximal 10 Tagen im Voraus möglich. In manchen Fällen lässt sich sogar bis zu 14 Tagen ein grober Trend angeben. Um dennoch Aussagen machen zu können, müssen wir die Statistik bemühen. Was allerdings im März an Extremen alles möglich ist, zeigen uns die Jahre 2013 und 2014, die unterschiedlicher nicht sein konnten.
Im März 2014 kam nach einem überaus milden Winter rasch der Frühling. Atlantische Tiefausläufer führten auf ihrer Vorderseite warme Luft nach Mitteleuropa. Deutschland verblieb überwiegend unter Hochdruckeinfluss, wobei sich die Temperaturen bei viel Sonnenschein meist zwischen 10 und 20 Grad bewegten. Ab Mitte März wurden dann sogar häufiger Temperaturen über 20 Grad gemessen. Der März 2013 war daher mit einer Abweichung von 3,5 Grad deutlich zu warm.
Im Gegensatz dazu stellte sich 2013 nach recht warmem Märzbeginn die Großwetterlage rasch um. Tiefdruckgebiete über Nordosteuropa zapften sibirische Kaltluft an, die sich über Ost- und Mitteleuropa ausbreitete. Dabei kam es nochmals zu intensiven Schneefällen, sodass Deutschland sogar im Tiefland längere Zeit überwiegend schneebedeckt war. Die Nachttemperatur sank Mitte März sogar nochmals verbreitet unter -15 Grad. Diese Wetterlage hielt im Wesentlichen bis Anfang April an, sodass dann in den Mittelgebirgen noch teilweise über 1 Meter Schnee lag.
Ursache für diese Bandbreite an möglichen Witterungsextremen ist, dass durch den hohen Sonnenstand in den Subtropen bereits schon hohe Temperaturen herrschen, während die Kontinente im Norden noch sehr kalt sind. Je nach Strömungsverhältnissen kann sowohl warme, oder noch winterlich kalte Luft zu uns nach Mitteleuropa geführt werden. Statistisch gesehen, kommen kurze Wintereinbrüche im März häufiger vor. Allerdings hält sich in tiefen Lagen eine Schneedecke nur selten, da der Sonnenstand Mitte März bereits dem von Mitte September entspricht. So steigen die Temperaturen auch im Zustrom sehr kalter Luft trotz frostiger Nacht tagsüber meist über den Gefrierpunkt. Noch so ein extrem kalter März wie 2013 ist in diesem Jahr aber eher unwahrscheinlich. Damals war es in Sibirien teilweise bis zu 5 Grad zu kalt und Osteuropa war weitestgehend schneebedeckt. Zurzeit konzentriert sich der Kältepol bisher auf Nordamerika, während es in Sibirien und Nordosteuropa im Mittel eher zu warm ist. Auch ist die Schneebedeckung in Osteuropa vergleichsweise gering.
Derzeit konzentriert sich der Winter also auf die Bergregionen, trotzdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass es kurzzeitig nochmal einen Wintereinbruch bis in tiefe Lagen gibt.
Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst