Viel Schnee in Amerika und auch ein paar Zentimeter hierzulande Die wetterbedingten Schlagzeilen werden derzeit vom Wettergeschehen an der Ostküste der USA beherrscht. Im Bereich der Neuenglandstaaten kommt es am heutigen Dienstag zu einem kräftigen Schneesturm, davon gestreift wird auch noch die US-amerikanische Hauptstadt Washington. Ein Tiefdruckgebiet, das sich vom nordamerikanischen Kontinent in Richtung Atlantik verlagert, intensiviert sich auf seinem Weg durch sehr starke Temperaturgegensätze zwischen einer sehr kalten, arktischen Luftmassen auf der Rückseite (Westflanke) des Tiefs, die nach Süden geführt wird, und einer sehr milden und feuchten Luft aus den Subtropen, die an der Vorderseite (Ostflanke) nach Norden transportiert wird. Im Gepäck hat dieses kräftige Tiefdruckgebiet einerseits intensive Schneefälle, andererseits auch starke bis stürmische Winde, die zu starken Schneeverwehungen und damit enormen Verkehrsbehinderungen führen dürften. Das Maximum der Schneefälle mit teils über 50 cm Neuschnee bis Mittwochabend wird entlang der Küste nördlich von New York über Boston bis zur kanadischen Grenze erwartet. Solche Blizzards, wie Schneestürme in Amerika genannt werden, treten in unterschiedlich starker Ausprägung im nordamerikanischen Winter durchaus immer wieder auf. Nicht ganz so dramatisch ist die Situation in Deutschland. Das Frontensystem eines Nordmeertiefs hat uns mit Schnee und Regen mittlerweile südostwärts überquert. Allerdings kommt es an den Alpen sowie in etwas abgeschwächter Form auch am Erzgebirge zu einer Stausituation. Die Wolken und damit auch die Niederschläge überqueren die genannten Bergregionen nur mit Mühe und stauen sich an den Nordhängen. So kommt es zu länger anhaltenden Niederschlägen, die überwiegend als Schnee fallen. Diese Stausituation wird insbesondere an den Alpen bis in die Nacht zum Mittwoch noch andauern. Bis zum heutigen Dienstagmorgen sind dabei bereits folgende 24-stündige Neuschneemengen registriert worden (in Klammern aktuelle Gesamtschneehöhen): Erzgebirge: 5 bis 12 cm (10 bis 25 cm, auf dem Fichtelberg 48 cm) Alpen/Alpenvorland: 10 bis 24 cm (meist 30 bis 50 cm, auf der Zugspitze 285 cm) Spitzenreiter der 24-stündigen Neuschneemenge (alle am bayerischen Alpenrand): Jachenau-Tannern 24 cm, Obere Firstalm 23 cm, Reit im Winkel 19 cm, Lenggries 18 cm, Mittenwald 18 cm, Oberstdorf-Birgsau 16 cm Bis zum Abend wird vor allem an den Alpen mit weiteren 10 bis 15, lokal auch um 20 cm Neuschnee gerechnet, am Erzgebirge sollen es 5 bis 10 cm sein. In der Nacht zum Mittwoch lassen aber auch an den Alpen die Schneefälle allmählich nach, zuvor können in der ersten Nachthälfte jedoch nochmals um 5 cm, lokal auch um 10 cm Neuschnee fallen. Hierzulande sind Schneestürme, wie sie aktuell an der US-Ostküste stattfinden, meist weniger intensiv, da die Temperaturunterschiede im Normalfall nicht so stark ausgeprägt sind. Die Gründe dafür liegen in der Verteilung der Land- und Wassermassen in Europa. Auch die Ausrichtung der Alpen trägt dazu bei, die für Nord-Süd-Strömungen ein recht großes Hindernis darstellen. Es kommt daher eher selten vor, dass Luftmassen polaren Ursprungs direkt auf feuchte, subtropische Luftmassen treffen. Große Schneemengen werden bei uns eher im Bergland durch Staulagen, wie wir sie zum Beispiel aktuell an den Alpen vorfinden, erreicht. Deutlich seltener sind die Niederungen von starken bzw. anhaltenden Schneefällen betroffen. Dipl.-Met. Sabine Krüger Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 27.01.2015 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst