Der Winter macht Halbzeit Wir haben Winter und keiner merkt es! Der meteorologische Winter 2014/15 (Dez.-Feb.) hat nun schon die Hälfte seiner Zeit hinter sich, doch winterlich war er nicht wirklich. Bis auf eine winterliche Episode zwischen dem 27. Dezember 2014 und dem 3. Januar 2015 konnte die kalte Jahreszeit seinem Namen bisher keine Ehre machen. Während über viele Monate des Jahres 2014 blockierende meridionale Wetterlagen vorherrschten, konnte sich zum Dezember zunehmend die zonale Komponente durchsetzen. Eigentlich für die mittleren Breiten, in denen sich auch Deutschland befindet, im Winterhalbjahr kein ungewöhnlicher Vorgang. Die mittleren Breiten sind normalerweise von einer starken Westwinddrift geprägt. Seit der Jahrtausendwende kamen die kräftigen Westwinde wiederholt zum Zuge. Zu nennen sind beispielhaft die Episoden um die Winterstürme "Jeanett" (27.10.2002), "Erwin" (08.01.2005), "Kyrill" (18.01.2007) und "Emma" (01.03.2008) sowie um "Christian" (28.10.13) und "Xaver" (05.12.2013), bei denen über mehrere Tage oder Wochen hinweg Westwinde vorherrschten. Ansonsten strömte in den letzten Jahren die Luft jedoch oftmals aus Norden oder Süden nach Deutschland. Im aktuellen Winter jedoch lässt sich die kräftige westliche Strömung bisher nur selten unterbrechen. Die Höhepunkte lieferten die Orkane "Alexandra" und "Billie" am 11./12. Dezember 2014 sowie eine Reihe an Sturm- und Orkantiefs zwischen dem 8. und 15. Januar 2015 ("Daniel", "Elon", "Felix" und "Hermann"). Mit deren Sturmfeldern lebte der Wind stark auf so dass es in weiten Teilen Deutschlands stürmische Böen oder Sturmböen, an den Küsten sowie im Bergland auch schwere Sturmböen oder orkanartigen Böen auftraten. Selbst Orkanböen wurden zeitweise registriert. Die Folge waren teils erhebliche Schäden und leider sogar Todesopfer. Auf der Vorderseite der Orkantiefs drehte der Wind auf südwestliche Richtungen und führte sehr milde Luft von der Iberischen Halbinsel und Südwestfrankreich nach Deutschland. Dies führte schließlich am 10. Januar 2015 zu Rekordtemperaturen in einem Januar. In Piding (Bayern) erreichte die Temperatur mit Sonnenunterstützung ein Höchstwert von 20,5 Grad. Damit wurde der alte Januarrekord von 19,5 Grad aus dem Jahre 2007, der ebenfalls aus Piding stammte, um ein ganzes Grad übertroffen. Auch an zahlreichen anderen Stationen in der Mitte und im Süden des Landes wurden regional neue Januarrekorde aufgestellt. Da aber die meist vorherrschenden westlichen Winde oft milde Atlantikluft nach Deutschland transportierten, häufen sich in diesem Winter wieder die Tage mit überdurchschnittlich milden Temperaturen. Der Dezember wies trotz winterlichem Ausklang eine positive Temperaturanomalie von 1,9 Grad auf. Dabei stand dem Dezembermittel von 2,7 Grad ein vieljähriges Mittel von 0,8 Grad in der Referenzperiode 1961-1990 gegenüber. Obwohl der Januar vielerorts mit winterlichen Temperaturen begann, weist er schon nach der Hälfte des Monats bei einem Mittel von 3,6 Grad ebenfalls eine positive Abweichung von 4,1 Grad (vieljähriges Mittel -0,5 Grad) auf. Entsprechend fällt auch die Halbzeitbilanz des Winters 2014/15 bei den Temperaturen bisher deutlich zu mild aus. Seit dem 01. Dezember beläuft sich, im Vergleich zum vieljährigen Wintermittel von 0,2 Grad, der bisherige Temperaturüberschuss auf 2,65 Grad. Damit erreicht der diesjährige Winter derzeit aber noch nicht die Werte des Winters 2013/14, der mit einer positiven Temperaturabweichung von 3,1 Grad als viertwärmster Winter seit Messbeginn im Jahre 1881 in die Geschichte einging. Dipl.-Met. Lars Kirchhübel Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 15.01.2015 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst