Schnell wie der Wind "Passat", "Scirocco", "Bora" oder "Vento" - das sind alles Begriffe für...? Richtig: Für Winde! Wind war in Deutschland in den letzten Wochen ein häufiges Thema: Die Sturmtiefs DANIEL, ELON, FELIX und GUNTER zogen wie auf einem Fließband vom Atlantik in Richtung Nordosteuropa und brachten stürmisches Wetter, zum Teil auch Orkanböen mit sich. Auch aktuell haben wir es wieder mit viel Wind zu tun - derzeit ist es das Tief HERMANN, das uns bis zum morgigen Donnerstag in weiten Landesteilen eine frische Brise um die Nase weht. Neben der atmosphärischen Zirkulation (zu der auch die Passatwinde gehören), die im Wesentlichen durch die unterschiedlich starke Erwärmung der Erde am Äquator und an den Polen entsteht, gibt es eine Reihe von kleinräumigeren Windsystemen, die in verschiedenen Gebieten auftreten und die auf unterschiedliche Entstehungsmechanismen zurückzuführen sind: Allgemein bekannt ist beispielsweise der Föhn, der beim Überströmen von Gebirgen (wie z.B. den Alpen) im Lee auftritt und meist mit warmem und sonnigem Wetter einhergeht. Nicht ganz unbekannt ist auch der Scirocco, ein trockener Wüstenwind, der von der Sahara in Richtung Mittelmeer weht und Staub und Sand mit sich führt. Der Scirocco entsteht besonders häufig im Frühjahr und Herbst, wenn die Temperaturdifferenz zwischen kühlen Tiefdruckgebieten in Südeuropa und der heißen Luft über der Sahara besonders ausgeprägt ist. Auf seinem Weg über das Mittelmeer nimmt die Luft viel Feuchtigkeit auf, die sich an Gebirgen in Italien, Spanien oder Griechenland mit starken Niederschlägen abregnen kann. Ebenfalls im Mittelmeerraum auftretend, aber deutlich kälter, ist die Bora. Sie ist ein kalter, trockener und böiger Fallwind an der istrischen und dalmatinischen Küste. Häufig entsteht dieser Wind, wenn sich ein Hoch über dem Balkan und gleichzeitig ein Tiefdruckgebiet südlich der Alpen entwickeln. Dann strömt sehr kalte kontinentale Luft in Richtung Adria und stürzt als böiger Fallwind die Karstgebirge herunter. Dabei erwärmt sich die Luft nur geringfügig, da die Gebirgszüge relativ niedrig sind. Im Winter sind Spitzengeschwindigkeiten bis zu 250 km/h möglich und die Winde können über einen langen Zeitraum von bis zu 14 Tagen auftreten. Den Segelfreunden am Gardasee wird vielleicht auch Vento ein Begriff sein. Dieser Nordwind (auch Peler genannt) tritt in Sommernächten auf, wenn die kalte Luft an den Berghängen absinkt, über die warme Wasseroberfläche zieht und am südlichen Rand des Sees wieder aufsteigt. Tagsüber kehren sich die Verhältnisse um: Die Luft an den Südhängen wird durch Sonneneinstrahlung erwärmt, steigt auf und bodennah fließt Luft über den See nach. Dieser Südwind wird Ora bezeichnet. Natürlich gibt es neben den genannten Winden noch viele andere, regionale und lokale Windsysteme. Für den interessierten Leser sei an dieser Stelle auf das Lexikon des DWD verwiesen: www.dwd.de/lexikon Der ein oder andere mag bemerkt haben, dass die beschriebenen Winde auch Automodelle eines renommierten deutschen Herstellers mit ihren Namen schmücken. Ob deren Geschwindigkeiten allerdings mit denen der Winde vergleichbar sind und ob vielleicht in nächster Zeit wieder ein neuer Wind weht, soll an dieser Stelle offen bleiben... Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.01.2015 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst