Sturmflut Mitteleuropa wird derzeit von einer Sturmserie heimgesucht. Die Stürme DANIEL und ELON haben bereits größere Schäden angerichtet. Die folgende Tabelle enthält die maximalen Windgeschwindigkeiten der letzten 24 Stunden, Stand 10.01.2014 09:00 Uhr: Berge: Brocken 160,9 km/h Zugspitze 155,9 km/h Feldberg Schwarzwald 144,0 km/h Fichtelberg 137,9 km/h Küste: Leuchtturm Alte Weser 151,2 km/h Leuchtturm Kiel 133,2 km/h Nordholz 130 km/h Sankt Peter Ording 126 km/h Strucklanhungshörn 126 km/h Tiefland: Ruthenstrom 108,0 km/h Schleswig 105,5 km/h Ummendorf 104,8 km/h Doch nicht nur die Sturmböen sorgen für Schäden. Eine weitere Gefahr, die bei Stürmen besteht, ist das Auftreten einer Sturmflut. Eine Sturmflut entsteht, wenn starker auflandiger Wind den Wasserstand deutlich erhöht. Meist ist dies der Fall, wenn ein kräftiges Sturmtief mit auflandigen Winden und der Flut zusammentrifft. Doch wie entstehen Ebbe und Flut? Ebbe und Flut entstehen durch die Gezeitenkräfte. Das System Erde und Mond rotiert um einen gemeinsamen Schwerpunkt, der innerhalb der Erde liegt. Auf der dem Mond zugewandten Seite wirkt die Gravitationskraft (Anziehungskraft) des Mondes, wodurch dort das Wasser "angehoben" wird und ein Flutberg entsteht. Auf der gegenüberliegenden, dem Mond abgewandten Seite der Erde wirkt die Zentrifugalkraft (Fliehkraft) durch die Rotation des Systems Erde-Mond auf das Wasser. Sie ist genauso groß wie die Gravitationskraft des Mondes, was auch hier zu der Entstehung eines Flutberges führt. Zwischen den 2 Flutbergen senkt sich der Meeresspiegel. Dort herrscht Ebbe. Eine Umrundung der Erde durch den Mond dauert knapp 25 Stunden. In dieser Zeit gibt es somit an fast allen Küsten jeweils zwei Mal Ebbe und Flut (Hoch- und Niedrigwasser). Man spricht auch von Gezeiten oder Tide. Auf die Höhe des Hochwassers bei Flut hat die Sonne einen Einfluss. Steht das System Sonne, Mond und Erde nahezu in einer Linie, was bei Neumond und Vollmond der Fall ist, so wirkt zusätzlich zu der Gezeitenkraft des Mondes noch die Gezeitenkraft der Sonne auf die Flutberge. Dadurch steigt die Flut etwas höher. Man spricht auch von einer Springflut. Stehen Sonne, Erde und Mond etwa in einem rechten Winkel zueinander, was bei Halbmond der Fall ist, dann wirken die Gezeitenkräfte der Sonne der des Mondes entgegen, wodurch sich Ebbe und Flut abschwächen. Es kommt zu einer Nippflut. Von einer Sturmflut wird erst gesprochen, wenn der Tidenhöchststand das mittlere Tidenhochwasser (Hochwasser bei Flut) um 1,5 m überschreitet. Ab 2,5 m handelt es sich um eine schwere, ab 3,5 m um eine sehr schwere Sturmflut. Eine Springflut verstärkt eine Sturmflut noch etwas. Je länger die Winde auflandig wehen, desto stärker fällt die Sturmflut aus. Die Nordseeküste ist besonders anfällig für Sturmfluten, unter anderem, da sie relativ flach ist und die Flussmündungen in der regen eine Trichterform haben, in die das Wasser bei Nordweststurm hineingedrückt wird. Die stärkste bisher gemessene Sturmflut war in Hamburg am 3. Januar 1976, gefolgt von der Sturmflut vom 6. Dezember 2013, die durch Orkantief XAVER verursacht wurde. Die Flutkatastrophe von 1962, bei der es in Hamburg 315 Todesopfer gab, liegt auf Platz 10. Allerdings waren damals die Deichanlagen nicht so gut befestigt und somit konnte elbabwärts schon viel Wasser abfließen und verhinderte einen noch höheren Wasserstand in Hamburg. Warnungen vor Sturmfluten für die Deutschen Küsten gibt das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie aus. Heute überqueren die Ausläufer eines weiteren Orkantiefs namens FELIX Deutschland, sodass der Wind im Tagesverlauf wieder zunehmen wird. Mit Passage der Kaltfront des Tiefs werden an der Küste Orkanböen mit Geschwindigkeiten über 120 km/h erwartet. Hinter der Kaltfront dreht der Wind auf nordwestliche Richtungen, sodass er auflandig weht. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie warnt daher vor einer Sturmflut für die Nordseeküste. "Am Sonnabend werden das Nachmittag-Hochwasser bzw. das Abend-Hochwasser an der ostfriesischen Küste etwa 1 m höher, im Weser- und Elbegebiet sowie an der nordfriesischen Küste etwa 1,5 m höher als das mittlere Hochwasser eintreten." (Stand Samstag 7:18 Uhr)" Nähere Informationen erhält man auf der Seite des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie unter http://www.sturmflutwarnungen.de/. Dipl.-Met. Christian Herold Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 10.01.2015 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst