Felix bringt den vorläufigen Höhepunkt der aktiven Westlage Ob man das Wetter in der aktuellen Wintersaison nun gut findet oder nicht, eines kann man nicht bestreiten, für reichlich Abwechslung in der Wetterküche ist in jedem Fall gesorgt. So war der Dezember recht windig und hat den einen oder anderen kräftigen Sturm gebracht, sodass die Windenergie einen neuen Rekordwert verzeichnen durfte. Kurz nach Heiligabend zeigte sich der Winter dann von seiner kalten Seite und brachte vielen Regionen Schnee, Glätte und Dauerfrost. Und nun sind Sturm und Regen wieder zurück. Verantwortlich dafür ist, wie gestern im Thema des Tages schon erwähnt, das steuernde Zentraltief Christian, an dessen Südflanke immer wieder Randtiefs von West nach Ost wandern. Diese intensivieren die allgemeine Sturmsituation nochmal zusätzlich. Schon der gestrige Donnerstag brachte vor allem der Südhälfte des Landes mit Randtief "Daniel" einiges an Wind. Am heutigen Tage ist nun Tief "Elon" verantwortlich für die Verschärfung der Windsituation. Bis zum Vormittag wurden die stärksten Windgeschwindigkeiten vor allem auf den Bergen erreicht. So wurden auf dem Brocken 161 km/h, auf dem Fichtelberg 133 km/h und auf dem Feldberg im Schwarzwald 120 km/h gemessen, also volle Orkanstärke. Heute bleibt es dabei, das heißt im Flachland muss verbreitet mit stürmischen Böen und Sturmböen (bis 85 km/h) gerechnet werden, in freien Lagen treten zudem einzelne schwere Sturmböen auf (bis 100 km/h). Das gilt für den Norden und Osten und in der Nacht auf Samstag für den Süden. An der See und im Bergland weht der Wind teils mit Orkanstärke. Genaue Details entnehmen Sie bitte den aktuellen Warnungen und Warnlageberichten. Den vorläufigen Höhepunkt liefert am morgigen Samstag schließlich Tief "Felix", das sich derzeit noch westlich der Britischen Inseln befindet. Unter einer raschen Intensivierung wird das Orkantief bis Samstagmittag bis zur norwegischen Westküste gezogen sein. Sein Kerndruck soll dann bei etwa 945 hPa liegen. Diese recht weit nördliche Zugbahn verhindert, dass "Felix" seine volle Kraft über Deutschland entfaltet. Nichtsdestotrotz wird es verbreitet stürmisch. Die Entwicklung im Detail: Samstagvormittag in Deutschland: Die Warmfront von Tief Felix überquert Deutschland bereits in den Nachtstunden und bringt vor allem den Weststaulagen der Mittelgebirge viel Regen. Dahinter kommt ein Schwall sehr milder Luft nach Deutschland voran. So steigt die Temperatur nach einer schon recht milden Nacht mit zum Teil zweistelligen Tiefstwerten im Westen am Tage auf 10 bis 15 Grad, lokal am Oberrhein und in Südostbayern auch bis 17 Grad. Deutschland befindet sich also zunächst im sogenannten Warmsektor. Typisch dafür ist eine stabile vertikale Luftschichtung, die verhindert, dass die stärksten Winde, die in höheren Luftschichten zu finden sind, bis zum Boden durchgemischt werden. Die höchsten Windgeschwindigkeiten konzentrieren sich zunächst also auf die Hochlagen der Mittelgebirge. Dort muss verbreitet mit schweren Sturmböen (bis 100 km/h) bis hin zu Orkanböen (um 120 km/h) gerechnet werden. Im Tiefland treten zunächst starke bis stürmische Böen (bis 70 km/h), in freien Lagen auch einzelne Sturmböen (bis 85 km/h) auf. Samstagnachmittag und -abend in Deutschland: Im Laufe der zweiten Tageshälfte macht sich schließlich die Kaltfront von Tief Felix auf den Weg und verlagert sich rasch von Nord nach Süd über Deutschland. In der ersten Nachthälfte erreicht sie schließlich auch Süddeutschland. Der Durchgang der Kaltfront bildet den Höhepunkt der Windentwicklung in vielen Gebieten und stellt die gefährlichste Entwicklung dar. Die kalte Luft schiebt sich wie ein Keil unter die vorgelagerte warme Luft. Dadurch können nun auch größere Windgeschwindigkeiten aus den höheren Luftschichten heruntergemischt werden. Dies ist insbesondere gegeben, wenn sich entlang der Kaltfront Gewitter ausbilden sollten. Mit der Front werden Sturmböen und schwere Sturmböen (bis 100 km/h) erwartet. Bei Gewittern sind auch einzelne orkanartige Böen (bis 115 km/h) bis ins Tiefland nicht ausgeschlossen. Auf den Berggipfeln bleibt es bei voller Orkanstärke. Die Warnlage sollte also aufmerksam verfolgt werden! Mit dem Kaltfrontdurchgang ist auch ein kräftiger Temperatursturz verbunden. So fällt die Temperatur zum Teil um mehr als 10 Grad innerhalb kurzer Zeit. Die Tiefstwerte liegen dann nur noch wenig über dem Gefrierpunkt und die Niederschläge südlich der Donau gehen am Sonntagmorgen allmählich bis in tiefe Lagen in Schnee über. Am Sonntag liegt ganz Deutschland unter dem Einfluss höhenkalter Luft polaren Ursprungs. Durch die Kaltluft in der Höhe nimmt der Temperaturunterschied zwischen tieferen und höheren Luftschichten zu. Man spricht in diesem Fall von einer "labilen Schichtung". Die Folge sind häufige Schauer und einzelne Gewitter, die Graupel und zum Teil auch Schnee bis in tiefere Lagen mitbringen. Im Bergland fällt allgemein Schnee und am Alpenrand kann es in der ersten Tageshälfte noch länger anhaltend und ergiebig schneien. Zudem lebt der Wind im Tagesverlauf wieder verbreitet auf. Vor allem in Verbindung mit Schauern und Gewittern muss mit stürmischen Böen und einzelnen Sturmböen gerechnet werden. An der See und im Bergland sind schwere Sturmböen möglich, auf exponierten Berggipfeln Böen bis in den Orkanbereich. Auch die neue Woche beginnt mit wechselhaftem und teils stürmischem Wetter, wenngleich insgesamt auf einem etwas niedrigeren Niveau als am morgigen Samstag. Dazu steigen die Temperaturen wieder deutlich an. Eine richtige Beruhigung ist wohl frühestens in Richtung des darauffolgenden Wochenendes möglich. Dipl.-Met. Marcus Beyer Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.01.2015 Copyright (c) Deutscher Wetterdienst